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Frage

Hallo an alle,

ich bin Alex und arbeite so ziemlich allein beim Hausarzt (nur noch eine geringfügig Beschäftigte angestellt). Auf jeden Fall beschäftige ich mich deshalb "gezwungenermaßen" mit allen möglichen Dingen. Momentan bin ich auf der Suche nach Vorgaben/Richtlinien in denen steht, wie oft Kontrollurinkulturen/Abstriche nach Antibiotikatherapie bei 3MRGN gemacht werden müssen.

Wie gesagt, ist es ein niedergelassener Arzt. Bisher habe ich nur Klinikstandards gefunden. Ich denke aber nicht, dass diese auf den ambulanten Bereich übertragbar sind. Schon allein wegen der Kosten. Außerdem frag ich mich, weshalb in den Kliniken Rektalabstriche gemacht werden. Bei unserem.    "Patientenkeim" handelt es sich um Klebsiella pneumoniae. Soweit ich informiert bin, ist es ein Darmkeim. Er wird also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nachweisbar sein. Und selbst wenn es die 3MR-Variante ist, hat man doch sowieso keine Sanierungsmöglichkeit. Hintergrund meiner Frage ist die Aufforderung des Pflegeheims, doch jetzt mal die 3 Abstriche zu machen...

ich denke ja, dass da ein "Halbwissender" Sanierung MRSA und MRGN ohne Sanierung durcheinander bringt.

Trotzdem wäre interessant, ob es Vorgaben zu Therapiekontrolle bei MRGN gibt. 

Hab schon das halbe www durchforstet ohne Erfolg. Aber vielleicht hab ich auch was übersehen.

Wer weiß was genaues, am besten mit Quellenangabe ;)

Vielen Dank, Alex

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3 Antworten auf diese Frage

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Am 9.4.2016 um 22:39 schrieb Alex2.0:

Hallo an alle,

ich bin Alex und arbeite so ziemlich allein beim Hausarzt (nur noch eine geringfügig Beschäftigte angestellt). Auf jeden Fall beschäftige ich mich deshalb "gezwungenermaßen" mit allen möglichen Dingen. Momentan bin ich auf der Suche nach Vorgaben/Richtlinien in denen steht, wie oft Kontrollurinkulturen/Abstriche nach Antibiotikatherapie bei 3MRGN gemacht werden müssen.

Wie gesagt, ist es ein niedergelassener Arzt. Bisher habe ich nur Klinikstandards gefunden. Ich denke aber nicht, dass diese auf den ambulanten Bereich übertragbar sind. Schon allein wegen der Kosten. Außerdem frag ich mich, weshalb in den Kliniken Rektalabstriche gemacht werden. Bei unserem.    "Patientenkeim" handelt es sich um Klebsiella pneumoniae. Soweit ich informiert bin, ist es ein Darmkeim. Er wird also mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nachweisbar sein. Und selbst wenn es die 3MR-Variante ist, hat man doch sowieso keine Sanierungsmöglichkeit. Hintergrund meiner Frage ist die Aufforderung des Pflegeheims, doch jetzt mal die 3 Abstriche zu machen...

ich denke ja, dass da ein "Halbwissender" Sanierung MRSA und MRGN ohne Sanierung durcheinander bringt.

Trotzdem wäre interessant, ob es Vorgaben zu Therapiekontrolle bei MRGN gibt. 

Hab schon das halbe www durchforstet ohne Erfolg. Aber vielleicht hab ich auch was übersehen.

Wer weiß was genaues, am besten mit Quellenangabe ;)

Vielen Dank, Alex

Hallo Alex,

MRGN werden in D noch sehr stiefmütterlich behandelt. Es gelten im Gegensatz zum MRSA nicht die Laborbefreiungsziffern und es können nicht die "MRSA-Ziffern" abgerechnet werden. Ich kenne nur die lokalen Quellen, da ich an unserem "Multiresistente Erreger-Netzwerk" vor Ort teilnehme. Da gibt es einige Merkblätter, u.a. auch für Patienten und Pflegeheime, vielleicht hilft Dir das weiter: 

www.landkreis-karlsruhe.de/mre-netzwerk_karlsruhe

Wo wurde denn die Klebsielle nachgewiesen? War der Patient denn daran erkrankt oder ist er nur kolonisiert? Eine Kolonisation kann auch von selbst verschwinden, wenn die "Selektionsvorteile" durch Antibiotikatherapien im Krankenhaus wegfallen, die multiresistenten Keime haben ja mehr Gene und vermehren sich deswegen langsamer als ihre nicht resistenten Kollegen.

Fürs PH bedeutet das Wissen um den resistenten Keim vermutlich mehr Hygienemaßnahmen, deswegen haben die ein Interesse daran, daß der Patient negativ getestet wird (andererseits wieviele Pat. haben dort multiresistente Keime und es weiß nur keiner davon...).

Viele Grüße,

Wencke Winand

Hausärztin

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Hallöchen :),

vielen Dank für die Antwort. Die Klebsiella wurden im Urin festgestellt, also nicht nur kolonisiert. Dass darüber kaum jemand was weiß, ist mir auch aufgefallen. Und der gegankenlose Umgang mit MRE im Allgemeinen ist mir auch aufgefallen. Nachdem ein wirklich lieber Patient wegen MRSA sein Bein verlor und zuvor ein "Wundschwester" bei einem anderen Patienten den infizierten Fuß so gut gepflegt hat, dass dieser am Ende... Naja, muss ich nicht mehr zu sagen, auf jeden Fall hab ich daraufhin meine Chef genötigt, die MRSA-Zertifizierung zu machen. Die Infoblätter hab ich alle. 

Das Procedere bei MRSA ist ja wirklich ausführlichst behandelt. Nur eben MRGN fällt weit ab.

Normalerweise müssten die Abrechnungsziffern auf MRGN ausgeweitet werden und entsprechend ergänzt. Oder wer soll die Kosten für Einmalkatheter und Wechselsets tragen? Man würde ja gern Kontrollen machen. Blöd nur, dass die Betroffenen in unserem Fall immer inkontinent sind. Und wenn man das Material zur Entnahme nicht zur Verfügung stellt, hantieren die Pflege (hilfs)Kräfte gleich mal mit unsterilen Handschuhen und ohne Gleitgel. Natürlich kann man's auf "grün" verordnen. Aber wie unfair ist das denn?! Der Patient "holt" sich MRGN in der Klinik und darf dann für nachfolgende Kontrollen bezahlen.

aber gut, das ist schon wieder ein anders Thema. 

Fakt ist, dass wir als Praxis die Kosten für 3-malige Kontrolle garantiert nicht tragen (was ja auch keinen Sinn macht) und der Patient bzw die Angehörigen würden im Dreieck springen.

Ist ja aber bei der MRSA-Sanierung das gleiche. Nasensalbe auf Kasse und der Rest aber bitte auf grün. 

Trotzdem bin ich froh, dass wir wenigstens ein paar Euro abrechnen können. Wobei das peanuts sind, wenn ich mir überlege, wie unaufgeklärt die Patienten aus der Klinik kommen. Da ist eine halbe Stunde gar nichts, wenn man ihnen erläutert, was überhaupt los ist. 

Schon erschreckend, wie sehr es sich ausgebreitet hat und im Augenblick haben wir mehr MRGN-Infektionen als MRSA.

Einen Überleitungsbogen habe ich aber noch nie bekommen und selbst in den Epikrisen steht nur drin: "...wurde EIN Staphylococcus  aureus gefunden...". Nicht mal eine klare Aussage ob MR oder nicht, geschweige denn ein Antibiogramm.

Ist das bei euch auch so? Da könnte ich ins Krankenhaus fahren und platzen... Sorry, aber das ist mein Aufreger-Thema. 

Also noch mal danke für die Antwort. Liebe Grüße, Alex :)

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Hallo Alex,

Im Urin heißt nicht unbedingt "erkrankt". Viele Katheterträger sind kolonisiert ohne zu erkranken. Zur Dekolonisation sollten ja auch "hemmende Faktoren" minimiert werden, dazu gehören beispielsweise Fremdkörper, also liegende Katheter. Ist die Katheterentfernung nicht möglich, sind die Chancen für die positive Eradikation von Vornherein schlechter.

Wenn die Klebsiellen nur im Urin positiv waren, muss ja auch nur der Urin kontrolliert werden.

Abgesehen davon, müsste die Patientin im Heim ja nicht mal isoliert werden. Bei schwieriger Hygiene (z.B. Patientin geht alleine zur Toilette und verfehlt die Schüssel gelegentlich) würde eine eigene Toilette für die Patientin genügen.

Auch bei uns lässt die Qualität der Entlassberichte zu wünschen übrig. Ich habe schon mehrfach erlebt, daß die Sozialstation von der Klinik-Pflege einen korrekten Überleitbogen bekam, im ärzlichen Kurzentlassbrief wurde der MRSA aber vergessen, ich erhielt die Info dann nur über Umwege von der Sozialstation.

Die KBV beschäftigt sich aktuell auch mehr mit dem Thema MRGN. Bleibt zu hoffen, daß die "MRSA-Ziffern" darauf ausgedehnt werden. Lokale KV-Mitglieder sagen, daß die Ziffern viel weniger abgerechnet werden, als vorausberechnet wurde.

Viele Grüße,

Wencke Winand

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