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  • Ralph Jäger
    Ralph Jäger

    Praxismanager als leitende MFA / Erstkraft: Professionell die Arztpraxis / das MVZ führen (inkl. Gehalt 2018)

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    Praxismanager planen, organisieren, leiten und kontrollieren die organisatorischen Aktivitäten in Arztpraxen oder Medizinischen Versorgungszentren unter Befolgung der Richtlinien und Wertvorstellungen des Praxisinhabers oder der Geschäftsführung. Praxismanagerinnen sind häufig weitergebildete, berufserfahrene Medizinische Fachangestellte (MFA).

    Die Übertragung der organisatorischen Aufgaben auf eine leitenden Führungskraft soll das Praxismanagement professionalisieren und zur Weiterentwicklung anregen.

    Die Entwicklung im ambulanten Gesundheitswesen erfordert heutzutage den Einsatz eines Praxismanagers: Medizinische Versorgungszentren und überörtlich agierende Arztpraxen mit Zweigpraxen versuchen Synergieeffekten wahrzunehmen um auch so verbesserten Arbeitsbedingungen für MFA sowie Ärzten anzubieten. 

    Vorteile für ambulante Gesundheitseinrichtungen ergeben sich aus

    • einer professionellen Aussenwirkung
    • der Entlastung von Ärzten und MFA
    • der Verbesserung des Patientenservice und der Patientenzufriedenheit

    Nachteile entstehen vor allem für kleine Arztpraxen durch die erhöhten Personalkosten sowie dem Konfliktpotential in der Übertragung von Führungsaufgaben.

    Das Aufgabengebiet und Rolle des Praxismanager

    Der neue Begriff Praxismanager soll zeitgemäßer und gleichzeitig eine Professionalisierung des Berufs wertschätzen. Die sind konkretisiert und die Rolle als Führungskraft im Praxisteam gestärkt worden.  Zu den Aufgabengebiet der leitenden Erstkraft gehören:

    Konfliktpotential kann vor allem in gewachsenen Strukturen, wie traditionellen Arztpraxen, entstehen:

    1. Die Gruppendynamik eines Praxisteams kann durch eine neue Führungskraft initial gestört werden
    2. Die Führungsrolle des Praxisinhabers wird in Bezug auf die Medizinischen Fachangestellten verändert
    3. Wirtschaftliche Unternehmensdaten sowie fundamentale Mängel werden offengelegt

    Zur Vermeidung von Konflikten müssen sachliche Regeln sowie emotionale Wertvorstellungen der Geschäftsführung / Praxisinhaber definiert und kommuniziert werden.

    Als Beispiel einer sachlichen Regelung kann die Einsicht auf wirtschaftliche Unternehmensdaten sowie Kontostände auf die Geschäftsführung sowie das Steuerbüro eingeschränkt oder Investitionen auf definierte Maximalwerte und Einrichtungsgegenstände begrenzt werden.

    Emotionale Wertvorstellungen spiegeln sich vor allem im Patientenservice, dem Praxismarketing sowie im Umgang mit den Mitarbeitern wider: hier sollte ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Praxismanager und der Geschäftsführung stattfinden. Das Praxisleitbild kann hierbei eine wertvolle Orientierungshilfe darstellen.

    In der Regel sind auch leitende medizinischen Fachangestellten in der Sprechstundenalltag integriert, um den Bezug zum Praxisalltag nicht zu verlieren. Die Arbeitseinteilung sowie die Arbeitsumgebung sollte zusätzlich die Möglichkeit für eine zeitweise ungestörte Konzentration auf das Praxismanagement ermöglichen. Als Richtwert für erforderliche Personalstunden zu administrativen Tätigkeiten kann bei einer kleinen Arztpraxis mit 3 MItarbeitern und ein bis zwei Ärzten mit 20h pro Woche gerechnet werden. Größere ambulante Gesundheitseinrichtungen benötigen sogar eine stellvertretende Praxismanagerin.

    Die Rolle der Praxismanagerin als Führungskraft im Praxisteam

    In kleineren und mittleren Arztpraxen behält in der Regel die Ärztin / der Arzt als Praxisinhaber die übergeordnete Führungsrolle inne und die leitende Erstkraft - jetzt Praxismanagerin - ist zusätzlich weisungsbefugt. Dies kann dazu führen, dass die Praxismanagerin als reines "ausführendes Organ" mit einem engen Vertrauensverhältnis zum Praxisinhaber angesehen wird. Erschwerend können fehlende Führungskompetenzen, sowohl des Praxisinhabers als auch der Praxismanagerin, hinzukommen.

    Im Praxisteam sollte aus diesem Grund die Praxismanagerin regelmäßig als Führungskraft mit eigenen Entscheidungsfreiheiten und Weisungsbefugnissen dargestellt werden. Gleichzeitig müssen die Grenzen klar kommuniziert werden, im Besonderen im Personalmanagement.

    Die Praxismanagerin muss delegieren lernen und gleichzeitig die Verantwortung für einen Aufgabenbereich tragen: Die Aufgaben der Praxismanagerin sind umfangreich und sie kann diese nicht alleine bewältigen. Sie muss delegieren und gleichzeitig die Verantwortung für die delegierten Aufgaben trotzdem übernehmen. Engagierte MFAs, die eine Weiterentwicklung anstreben, sind klassischerweise dadurch überfordert, dass sie alle Arbeiten selbst erledigen möchten.

    Die leitende MFA muss lernen Aufgaben im Praxisteam zu delegieren, die Ausführung anzuleiten und später zu kontrollieren. Fallen der Geschäftsführung Missstände auf, wird die Praxismanagerin damit konfrontiert.

    Praxismanagerin Ausbildung

    Da der Begriff Praxismanager nicht geschützt ist, existieren vielfältige Angebote zur Weiter- und Fortbildung. Neben Tages- und Wochenendkursen, sowie Fernstudien gibt es zum Teil berufsbegleitende Studien an Hochschulen.

    Fortbildungsinhalte sollten regelhaft sein:

    • Betriebswirtschaft: die organisatorischen, planerischen und finanz- und steuertechnischen Überlegungen und Entscheidungen zur Praxisführung. Zudem sollte über ein Controlling ein Überblick der betriebswirtschaftlichen Entwicklungen verschafft werden.
    • PraxismanagementPlanung und Verantwortung der Bereiche Praxisinventar, Räume, Terminmanagement, Sprechstundenablauf, etc.
    • Kassen- und Privatabrechnung: Leistungsdokumentation, Vorbereitung und Durchführung der Kassenabrechnung (EBM), Privatabrechnung (GOÄ), und für weitere Verträge und IGEL-Leistungen
    • Qualitätsmanagement: Dokumentation der Arbeitsprozesse und qualitative Weiterentwicklung der Arztpraxis
    • Kommunikation: Gesprächsführung mit den Patienten und im Arztpraxisteam
    • Personalmanagement: Auswahl, Einstellung, Entlassung und Führung von Medizinischen Fachangestellten sowie anderen Mitarbeitern und die Einsatzplanung. Dies beinhaltet auch Mitarbeitergespräche, in Form von Kritik-, Feedback- und jährlichen Zielvereinbarungsgesprächen.
    • Rechtsvorschriften: Gesetze, Verordnungen und Richtlinien die im ambulanten Gesundheitswesen zu befolgen sind.
    • Praxis-EDV-Anwendungen: Grundsätzlicher Überblick über den Einsatz und die Möglichkeiten der Praxissoftware und weiterer EDV-Anwendungen (PC-EKG etc.)

    Durch diese Weiterbildungsinhalte erwirbt die Praxismanagerin eine hohe Fachkompetenz. Es fehlen jedoch regelmäßig in der Ausbildung die Lehrinhalte der Führungskompetenz, die nachträglich angeeignet werden müssen:

    • Selbstmanagement / Zeitmanagement
    • Personalführung
    • Konfliktmanagement
    • Umgang mit Verantwortung

    Gehalt PraxismanagerIn 2018

    Die Bezahlung der PraxismanagerIn kann sehr unterschiedlich ausfallen. Wurde früher die leitenden Erstkraft als Arzthelferin einfach angewiesen, das Praxismanagement zu übernehmen, gab es in der Regel hierfür keine finanziellen Extraleistungen. 

    Durch die Professionalisierung des Praxismanagements und die erweiterte Ausbildung der Medizinischen Fachangestellten sollte man die Praxismanagerin mindestens in die Tarifgruppe IV nach Manteltarifvertrag für medizinische Fachangestellte einordnen.

    Dies entspricht 2018 einem Gehalt der PraxismanagerIn von 2.216,34 € ab dem 1. Berufsjahr bis zu 2.970,92 € ab dem 17. Berufsjahr.

    Besser sieht es für MFA aus, die spezielle (aber auch zeitintensive) Weiterbildungen durchgeführt haben:

    • Tarifgruppe V: Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung / Arztfachhelferin (2.449,79€ bis .3218,50 €)
    • Tarifgruppe VI: Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen entsprechend (2.826,68 € bis 3.713,65€)

    Fazit

    Eine Praxismanagerin einzustellen oder auszubilden geht mit erhöhten Kosten für die Weiterbildung und initialem hohem Zeitaufwand einher: geht man nur halbherzig an dieses Thema heran, kommt es zu Konflikten und Enttäuschungen.

    Die Praxisführung einer dedizierten Praxismanagerin zu übertragen lohnt sich jedoch: die Arztpraxis wird professionell geführt und kann sich weiterentwickeln. Die Ärzte erhalten mehr Zeit für die eigentlichen medizinischen Aufgaben. Schließlich führt dies zu einer erhöhten Patientenzufriedenheit und spiegelt sich auch betriebswirtschaftlich positiv wieder. Eine Win-Win-Situation.

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    Rückmeldungen von Benutzern

    Recommended Comments

    Ausgezeichneter Artikel, der die Notwendigkeit von NäPa oder Verah-Ausbioldung zeigt.

    HJ-Puck, 30 Jahre FA für Allgemeinmedizin mit Verah und HzV.

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    Danke für das Lob.

    Ich sehe ich genauso: nur durch die Unterstützung der MFA in Form von NäPa und VERAH lässt sich eine professionelle ambulante medizinische Versorgung in der Arztpraxis gewährleisten.

    Hierfür müssen wir alle daran arbeiten, dies umzusetzen und die Stolperfallen zu beseitigen.

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    Danke für das Lob.

    Ich sehe ich genauso: nur durch die Unterstützung der MFA in Form von NäPa und VERAH lässt sich eine professionelle ambulante medizinische Versorgung in der Arztpraxis gewährleisten.

    Hierfür müssen wir alle daran arbeiten, dies umzusetzen und die Stolperfallen zu beseitigen.

    Hallo, 

    ich selbst sehe das auch so als Praxismanagerin einer HNO Praxis. Unser Job ist echt hart, aber ohne uns, fallen die Praxen und verlieren anstatt gewinnen.. Heut zutage braucht jede Praxis eine qualifizierte Führungskraft!! Alleine die Patienten Zahl hat sich in Massen entwickelt und dazu braucht man ein gutes Zeitmanagement um dagegen zu steuern. Also mehr Fortbildung für alle  .. und die richtige Anerkennung führt jede Praxis zum Erfolg..

    LG müller 

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    Hallo, 

    ich selbst sehe das auch so als Praxismanagerin einer HNO Praxis. Unser Job ist echt hart, aber ohne uns, fallen die Praxen und verlieren anstatt gewinnen.. Heut zutage braucht jede Praxis eine qualifizierte Führungskraft!! Alleine die Patienten Zahl hat sich in Massen entwickelt und dazu braucht man ein gutes Zeitmanagement um dagegen zu steuern. Also mehr Fortbildung für alle  .. und die richtige Anerkennung führt jede Praxis zum Erfolg..

    LG müller 

    Richtig: nur gemeinsam, also MFA, Praxismanager und Ärzte, können wir in Zukunft eine qualitativ hochwertige ambulante medizinische Versorgung stressfrei meistern.

    Also weg von:

    "was kann die Praxis für mich tun? (Geld/Job/Anerkennung)"

    hin zu

    "Was kann jeder Einzelne für eine verbesserte Praxisstruktur tun?

    Was ist mein Beitrag?"

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