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Der neue Medikationsplan ab 01.10.2106  

80 Stimmen

  1. 1. Hast Du schon vom neuen Medikationsplan ab dem 01.10.2016 gehört?

  2. 2. Wird dieser die medizinische Versorgung der Patienten verbessern?

    • Ja, auf jeden Fall.
    • Vielleicht, mal abwarten.
    • Nein, die Versorgung ist bisher schon gut genug. Ich sehe keine Verbesserung.
  3. 3. Wir der Medikationsplan die Arbeit in der Arztpraxis erleichtern?

    • Ja, auf jeden Fall.
    • Vielleicht, je nach Praxissoftware und deren Umsetzung.
    • Nein, alles wird komplizierter.
    • Irrelevant, weil sich nichts verändert wird.


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Wer hat schon Meinungen oder Erfahrungen mit dem neuen Medikationsplan ab dem 01.10.2016?

Wird dieser die medizinische Versorgung der Patienten verbessern oder die Arbeit in der ambulanten Medizin für Ärzte und Medizinische Fachangestellte erleichtern oder erschweren?

Wird die Software funktionieren?

 

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oh je, wieder eine Änderung in der Praxissoftware :2_grimacing:

Kann das nicht alles so bleiben, wenigstens eine Weile lang?

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Fakt ist doch, dass es immer noch Arztpraxen gibt, die keinen Medikamentenplan ausstellen oder handschriftlich die Einträge verändern.

Kommen Patienten in Vertretung ist das besonders ärgerlich, weil man nicht genau weiss, wass die Patienten einnehmen. Dann gibt es auf den meisten Plänen keine Diagnosen oder Vorerkrankungen.

Es würde uns auch einiges erleichtern, wenn die Krankenhäuser einen Medikamentenplan mit Barcode erstellen, den wir dann einfach einlesen können. Aber das ist wahrscheinlich utopisch....

Die Praxissoftware wird sich immer verändern müssen und an die Neuerungen anpassen. Derzeitig sind die meisten Systeme unglücklicherweise ein Flickwerk als Altem und Neuem....

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Wir müssen den Medikamentenplan an der Anmeldung auch noch im ganzen Trubel ausfüllen oder ändern. Das ist dem Arzt zu stressig :(

Da passieren auch ganz häufig Fehler und nachher sind wir Schuld. Es sollte immer der Arzt die Pläne direkt im Zimmer eintippen.

Wenn man wirklich den Medikamentenplan einfach mit einem Barcodescanner einlesen kann, dann ist das schon eine Erleichterung. Ob das aber funktionieren wird?

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Macht doch alles komplizierter. Wahrscheinlich ist auch alles klein geschrieben und die Patienten fragen uns wieder, was das alles heßt.

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Wir arbeiten schon seit ca. 2 Jahren mit den Mediplänen, da ein solcher schon in der Software vorhanden war/ist. Bisher hielt ich allerdings in erster Linie "unsere" Medikamente auf dem Laufenden. Zumindest bei schätzungsweise 90 % der Patienten. Hauptaugenmerk dabei auf Heimbewohner, da die Pflegeheime ständig mit ihren hauseigenen Plänen in die Sprechstunde platzen und diese abgezeichnet haben wollen.

Da das ziemlich anstrengend ist, zumal diese Pläne oftmals fehlerhaft sind, habe ich damals angefangen, unsere Pläne zu bearbeiten bzw ordentlich zu führen. Ich sage immer: MDK-gerecht. Also mit Wirkstoff (Anzeige ist einstellbar), Einnahmezeitpunkt (x-x-x-x).... Angezeigt wird DM für Dauermedi und LM für laufendes M. Wenn etwas abgesetzt wird, kann ich es auf AM ändern.

Für mich interessant ist die Einstellungsoption 'verbraucht in....Tagen' Das Programm ist so nett und rechnet mir auf den Tag genau aus, wann das Medi aufgebraucht ist.

"Spannend" ist es bei der Bedarfsmedikation. Da hier für die Heimbewohner konkret angegeben werden muss (für MDK) wann was gegeben werden darf. Also nicht 'bei Bedarf' sondern, kleines Beispiel Nitrospray: bei erhöhten RR-Werten (gemessen ca. 3-4x innerhalb einer Stunde) systolisch über 180, diastolisch über 100, ein Hub auf die Zunge, Kontrolle nach 10 Minuten, erhöht weiterer Hub usw.

bei Analgetika schwierig eine eindeutige Anweisung zu geben. Indikation z.B. Schmerzen des Beweg.apparates, Gabe 30 Tropfen Metamizol, mind. eine Stunde warten, bei anhaltender Symptomatik weitere 30 Tropfen, maximal 4x tgl. So in der Art. Die Heime freut es, nerven trotzdem weiterhin mit ihren eigenen Plänen. Aber da gibt es ab Oktober keine Chance mehr. Unsere wirklich übersichtlichen Pläne mit Unterschrift in Tabellenform oder gar nichts. Der Aufwand ist schon immens, gerade für die Heime, trotzdem ist es ein tolles Hilfsmittel für unsere Arbeit. In letzter Zeit hatten wir es gehäuft, dass in den Epikrisen von Kliniken die Medikation nicht stimmte (zusätzliche RR-Medis, Analgetika, selbst angeblich angesetztes Hydromophon...) Ohne unsere eigene Übersicht wäre es schlimmstenfalls nicht gleich aufgefallen. So fällt es beim Abgleich sofort auf.

unsinnig finde ich nur die Auflistung diverser Hustenbonbons oder ähnlicher Dinge. Auch die Auflistung der Facharztmedis wird schwierig, da wir nicht alle Befunde bekommen. In diesen beiden Punkten sind fehlerhafte Angaben vorprogrammiert. Inwiefern das dann noch Sinn macht, sei dahin gestellt. Und falls man uns für diesen Megaaufwand mit 1,50 Euro abspeisen will, kann die KV oder der GBA oder wer auch immer den Kram selber machen.

Aber zur Vergütung schweigt man sich ja noch aus....

Sorry, dass es etwas länger geworden ist.

lg Alex

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vor 1 Minute schrieb klaus99:

Uns wurde gesagt, dass der neue Medikamentenplan erst ab nächsten Jahr verfügbar wäre.

Unser Softwarehaus wird den Mediplan auch "erst" im nächsten Jahr eins-zu-eins umsetzen. Aber der bereits vorhandene kommt dem geforderten schon sehr nahe. Fakt ist jedoch, dass die Patienten ab 01.10. das Recht auf einen solchen Plan haben. Wie das jede Praxis bis zur endgültigen Software-Lösung umsetzen, ist wohl jedem selbst überlassen. 

Übrigens da in einem Beitrag stand, 'Medipläne aus Krankenhäusern einfach einscannen', nicht in 100 Jahren würde ich das tun. Siehe mein Beispiel. Anderenfalls dürfte jetzt die ü-80 Patienten bis zu 6x täglich unretardierte Hydromorphon schlucken zusätzlich zu 2x tgl retardiertem...

Davon abgesehen, dass das in diesem Fall sowieso falsch aufgelistet war, habe ich noch nie erlebt, dass ein Patient mit neu verordnetem Hydromorphon was von Atemdepression erzählt wurde bzw. was er da überhaupt nehmen soll. Was wird wohl bei rauskommen, wenn jemand mit ü-80 Schmerzen hat und sich vorm Schlafengehen denkt 'ich darf ja 6 Stück wenn ich starke Schmerzen habe, nehme ich doch mal lieber 2 Stück mehr. Ist ja fast wie Aspirin. Klein und weiß....'

Insofern lieber nicht darauf vertrauen, dass die Klinikpläne korrekt sind.

Letztes Beispiel: Xarelto zur Antikoagulation nach Hüft-TEP bei Patient mit Niereninsuffizienz bzw Z.n. akutem Nierenversagen... Ist besser, wenn man so was mal hinterfragt... (in dem Fall war es aber wider Erwartens korrekt, da Heparin wegen anderer Vorgeschichte kontraindiziert war, d.h. man hatte hier die Wahl zwischen "Pest und Cholera")

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Hallo Alex,

vielen Dank für Deine wertvollen Beiträge :91_thumbsup:

vor 33 Minuten schrieb Alex2.0:

Übrigens da in einem Beitrag stand, 'Medipläne aus Krankenhäusern einfach einscannen', nicht in 100 Jahren würde ich das tun. Siehe mein Beispiel. Anderenfalls dürfte jetzt die ü-80 Patienten bis zu 6x täglich unretardierte Hydromorphon schlucken zusätzlich zu 2x tgl retardiertem...

Ich sehe es auch so wie Du, dass die Medikamentenpläne aus den Krankenhäusern nicht eins zu eins übernommen werden dürfen und im schlimmsten Fall den eigenen Medikamentenplan der Praxis überschreiben.

Vielleicht kann man die Einträge des Medikamentenplans aus dem Krankenhaus als Vorschlag für neue Zeilen im eigentlichen Medikamentenplan anbieten.

Intelligent wäre es, wenn die Praxissoftware die Unterschiede des eigenen im Vergleich zu dem Mediplan aus dem Krankenhaus aufzeigen bzw. hervorheben könnte.

vor 1 Stunde schrieb Alex2.0:

Wir arbeiten schon seit ca. 2 Jahren mit den Mediplänen, da ein solcher schon in der Software vorhanden war/ist. Bisher hielt ich allerdings in erster Linie "unsere" Medikamente auf dem Laufenden. Zumindest bei schätzungsweise 90 % der Patienten. Hauptaugenmerk dabei auf Heimbewohner, da die Pflegeheime ständig mit ihren hauseigenen Plänen in die Sprechstunde platzen und diese abgezeichnet haben wollen.

Wir versuchen auch jedem Patienten, der Medikamente dauerhaft einnimmt oder aktu mehrere, einen Medikamentenplan mitzugeben. Die Pflegeheime wehren sich dagegen, dass wir unseren Verordnungsbogen, natürlich mit Unterschrift, zu deren Dokumentationszwecken nutzen möchten. Sie möchten, dass wir deren Verordnungsblatt während der Pflegeheimvisite abzeichnen.

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vor 1 Stunde schrieb Ralph Jäger:

Hallo Alex,

vielen Dank für Deine wertvollen Beiträge :91_thumbsup:

Ich sehe es auch so wie Du, dass die Medikamentenpläne aus den Krankenhäusern nicht eins zu eins übernommen werden dürfen und im schlimmsten Fall den eigenen Medikamentenplan der Praxis überschreiben.

Vielleicht kann man die Einträge des Medikamentenplans aus dem Krankenhaus als Vorschlag für neue Zeilen im eigentlichen Medikamentenplan anbieten.

Intelligent wäre es, wenn die Praxissoftware die Unterschiede des eigenen im Vergleich zu dem Mediplan aus dem Krankenhaus aufzeigen bzw. hervorheben könnte.

Wir versuchen auch jedem Patienten, der Medikamente dauerhaft einnimmt oder aktu mehrere, einen Medikamentenplan mitzugeben. Die Pflegeheime wehren sich dagegen, dass wir unseren Verordnungsbogen, natürlich mit Unterschrift, zu deren Dokumentationszwecken nutzen möchten. Sie möchten, dass wir deren Verordnungsblatt während der Pflegeheimvisite abzeichnen.

Ja, dass möchten die Pflegeheime hier auch. Fakt ist aber, dass kein Arzt dazu verpflichtet ist und diese Tatsache selbst beim MDK Sachsen nachzulesen ist. Ich verstehe die Pflegeheime voll und ganz. Aber welcher Arzt hat denn die Medikamentenpläne sämtlicher Heimbewohner im Kopf. Selbst wenn er diese zum Hausbesuch im Pflegeheim mitnehmen würde, hat er wohl kaum die Zeit, diese mit der Heimdoku zu vergleichen. Zu oft schon wurde versucht, nicht nur die Unterschrift für die eigene Medikation sondern gleich noch für die Medis der Fachärzte "abzugaunern". Da steht dann das Haldol unauffällig zwischen Amlodipin und Meto und schwups kommt der Arzt der Aufforderung nach "doch mal bitte schnell abzuzeichnen". Blöd wenn der Neuro Haldol gerade abgesetzt hat und das in der Heimdoku vergessen wurde. Das Risiko, dass der Arzt am Ende den Kopf hinhält für die Trotteligkeit anderer ist viel zu groß.

wenn wir etwas an der Medikation ändern, schreibe ich auf ein Rezeptformular mit dem betreffenden Patienten eine: ärztliche Anordnung          Änderung Medi xyz.          Einnahme alt: 1-0-0             Einnahme neu ab sofort: 1-0-1

Diese Anweisung wird zusammen mit dem geänderten Mediplan ins Pflegeheim gefaxt und wird dann später entweder in der Praxis abgeholt oder beim nächsten Hausbesuch mitgenommen. Die Anordnung ist unterzeichnet, der Mediplan ist unterzeichnet. Das ist schon weit mehr als Arzt machen müsste. Theoretisch könnte er die Änderung auch telefonisch mitteilen. Dann würde 'GuV' = 'gehört und vorgelesen' für das Pflegeheim eintreten und selbst das müsste akzeptiert werden. Wie gesagt, ich komme ihnen mit o.g. Procedere schon sehr entgegen, weil eine gute Zusmmenarbeit wichtig ist und das Pflegeheim dank Transparenzbericht MDK auch schnell mal am Pranger steht. Aber das rechtfertigt nicht, den Arzt zu Unterschriften zu "nötigen".

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    • Von Ralph Jäger
      Hallo,
      scannt ihr die Befunde, die per Post geschickt werden, ein und welchen Scanner benutzt ihr? Habt ihr mehrere Arbeitsplätze an denen eingescannt werden kann?
      Bei uns selbst sieht der Ablauf für den Posteingang derzeit so aus:
      Post inkl. Befunde werden von einer MFA geöffnet und in die "Posteingang"-Ablage gelegt einer der Ärzte sieht die Post und Befunde durch und legt die zu scannenden Befunde nach Durchsicht in die "Scan"-Ablage eine MFA oder Hilfskraft scant im Laufe der Woche die Befunde ein und ordnet diese dem Patienten zu Faxe werden direkt als PDF in das System gespeichert und von einer MFA den Patienten zugeordnet. Die Liste der eingegangenen Faxe wird im Praxisprogramm oft nicht konsequent von den Ärzten durchgesehen.
      Zum Scanner:
      Wir haben früher einen Dokumentenscanner von Kodak genutzt, der war sehr schnell und konnte auch Duplex scannen. Allerdings hat er sich schnell verheddert, die Rollen mussten regelmäßig gereinigt werden und ab und zu ist die Software "abgestürzt". Ähnliche Probleme hatten wir mit Scannern von anderern Herstellern in anderern Praxen.
      Aus diesem Grunde haben wir unser Multifunktionsgerät von Brother, die wir auch für das Faxen einsetzen, so erweitert, dass dieses gescannte Befunde per PDF direkt in die Praxis-EDV einspielen kann, ohne dass eine zusätzliche Software nötig ist.
      Konkret haben wir ein MFC im Büro und an der Anmeldung, dort können Dokumente mit einem Knopfdruck eingescannt werden, ohne dass man erst am Computer "klicken" muss. Das hat sich als zuverlässig bewährt, leider ist der Scanvorgang recht langsam. Dafür läuft das Gerät schon seit 5 Jahren zuverlässig ohne zu "murren".
      Wie ist der Ablauf bei euch, nutzt ihr professionelle Dokumentenscanner und wie sind damit eure Erfahrungen im Praxisalltag?
       
    • Von teramed
      Jetzt ist es schon eine Weile her, dass der neue Medikationsplan eingeführt wurde.
      Mich würde interessieren, wer diesen schon in der Praxis einsetzt und welche Erfahrungen ihr damit habt.
      Unsere Patienten sind durch die Veränderung der Auflistung der Medikamente, v.a. der Wirkstoffangabe in der ersten Spalte, etwas verwirrt. Ich kenne bisher auch keine Praxis, die einen Barcode-Scanner nutzt, um den ausgedruckten Plan in die Praxissoftware automatisch einzulesen.
      War der neue Medikamentenplan in der Praxissoftware kostenlos oder musste eure Praxis dafür extra zahlen? Wie reagieren die Patienten auf die neue Darstellung? Empfindet ihr den neuen Medikationsplan als besser als der von euch ursprünglich benutzte? Nutzt vielleicht jemand schon einen Barcodescanner und funktioniert das Einlesen auch?
    • Von Christina Czeschik
      Die schnelle elektronische Kommunikation hat unser Privatleben bereits revolutioniert. Mal eben per SMS mitteilen, dass man zehn Minuten später zur Verabredung kommt, oder per WhatsApp den Einkaufszettel an den Partner schicken, der noch auf der Arbeit ist: Der Gewinn an Komfort ist beträchtlich.
      Verständlicherweise möchten Patienten diesen Komfort auch im Gesundheitssystem wiederfinden. Warum im Minutentakt mehrere Anrufe in die Hausarztpraxis tätigen, in der Hoffnung, dass gerade eine Arzthelferin am Platz ist, wenn man stattdessen in 30 Sekunden eine WhatsApp-Nachricht mit dem Rezeptwunsch schicken kann? So denken viele Patienten, und da den Ärzten die Zufriedenheit ihrer Patienten am Herzen liegt, bemühen sie sich, ihnen entgegenzukommen.
      Erwartungen der Patienten: E-Mail als Selbstverständlichkeit, Instant Messaging als Bonus
      Eine Suche auf dem Arztbewertungsportal Jameda nach dem Stichwort WhatsApp zeigt: Auf den Seiten von über 200 Ärzten deutschlandweit erwähnen Patienten WhatsApp. In den allermeisten Fällen äußern sie sich lobend über die Möglichkeit, mit der Ärztin oder dem Arzt per WhatsApp zu kommunizieren. Dies spiegelt sich meist auch in guten Bewertungen der Praxis mit vier bis fünf Sternen im Jameda-System. Nur selten wird WhatsApp in negativem Zusammenhang erwähnt: So bewertet ein Patient das Angebot des Arztes, sein Testergebnis per WhatsApp abzufragen, als unprofessionell. Überwiegend beziehen sich negative Wertungen aber darauf, dass Patienten zuweilen den Eindruck haben, dass Praxismitarbeiter ihren privaten WhatsApp-Nachrichten mehr Aufmerksamkeit schenken als ihnen.
      Die Kommunikation per SMS wird in den Patientenkommentaren auf Jameda vorwiegend im Zusammenhang mit Terminerinnerungen diskutiert. Patienten finden auch diese Möglichkeit komfortabel und loben sie in der Regel.
      Wenn man die Kommentare zum Thema E-Mail auswertet, fällt das Bild deutlich anders aus: Die Erreichbarkeit per E-Mail wird kaum je als positives Merkmal einer Praxis hervorgehoben, sondern fehlende Erreichbarkeit negativ kommentiert. Die schnelle Beantwortung von E-Mails an die Praxisadresse wird offenbar als Selbstverständlichkeit erwartet – so wie auch gute telefonische Erreichbarkeit kaum gelobt, sondern schlechte kritisiert wird. (Im Folgenden sind übrigens unverschlüsselte E-Mails gemeint, wenn kurz von „E-Mails“ die Rede ist.)
      Eine Auswahl der Gründe, die Patienten für den Wunsch nach elektronischer Kommunikation nennen:
      Erreichbarkeit des Arztes am Wochenende und nach Feierabend, geringere Wartezeiten am Telefon, geringere Wartezeiten auf Rezepte in der Praxis und Vermeidung von langen Anfahrtswegen. Teilweise sind diese Beweggründe auch aus Sicht des Arztes durchaus nachvollziehbar. Zudem kann beispielsweise eine Verringerung des Anrufvolumens die Anmeldung entlasten und den Praxisablauf reibungsloser gestalten.
      Darf man jedem Patientenwunsch nachkommen?
      Einige Wünsche und Vorstellungen der Patienten müssen aber hinterfragt werden:
      Tatsächlich gibt es Kollegen, die auch am Wochenende und nach Feierabend per Instant Messenger (WhatsApp und ähnliche) oder E-Mail für ihre Patienten erreichbar sind. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob das im Sinne der Work-Life-Balance des Arztes nachhaltig ist. Das gilt vor allem, wenn Patienten sich auf dem privaten Smartphone des Arztes melden! Wenn es sich dagegen nicht um eine vom Arzt nur tolerierte Kontaktaufnahme auf dem privaten Handy handelt, sondern den Patienten bewusst angeboten wird, außerhalb der Sprechstundenzeiten (vielleicht auf einem Diensthandy) Kontakt per E-Mail, SMS oder Instant Messenger aufzunehmen, stellt sich natürlich die Frage nach der Abrechnung. Mehr dazu erfährst Du weiter unten in diesem Artikel. Der oben genannten Auswertung von Jameda-Kommentaren zufolge gibt es nicht wenige Patienten, die eine regelrechte Fernbehandlung per Instant Messenger oder E-Mail erwarten. Wenn diese nicht erfolgt, reagieren sie zuweilen empört. Es muss aber klar festgehalten werden, dass – außerhalb von wenigen Modellprojekten – immer noch ein erstmaliger persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient Voraussetzung einer Behandlung ist. Ausländische Anbieter wie DrEd haben versucht, diese Regel aufzuweichen, und haben dafür in der Vergangenheit viel Kritik eingesteckt. In vielen Fällen ist eine Fernbehandlung zwar möglich (und es drängen auch bereits Mitbewerber von DrEd auf den Markt) – es ist aber nicht ratsam, nach eigenem Ermessen den gesetzlichen Rahmen zu verlassen. Pflichten der Arztpraxis: Zuverlässigkeit und Datenschutz
      Auch Ärzte tragen jedoch die Verantwortung für einige Missverständnisse:
      Wenn eine Kontakt-Mailadresse auf der Praxishomepage steht, kann der Patient zu recht erwarten, dass E-Mails, die an diese Adresse gehen, beantwortet werden – selbst wenn es nur mit dem Hinweis ist, dass vertrauliche Informationen nicht per E-Mail verschickt werden. Ärzte sollten als Dienstleister und Lotsen der Patienten die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Kommunikation zwischen ihnen vertraulich und innerhalb des gesetzlichen Rahmens abläuft. Das heißt, wenn ein Patient eine ungeeignete Form der Kommunikation wie beispielsweise WhatsApp vorschlägt oder verlangt, ist es Aufgabe des Arztes, den Patienten auf die damit verbundenen Probleme hinzuweisen und alternative Angebote zu machen. Datenschutz, Haftung und Abrechnung
      Wenn man seinen Patienten die Möglichkeit zur elektronischen Kommunikation anbieten möchte, sind drei Fragen zu klären:
      Datenschutz – Wie kann ich sicher und vertraulich mit dem Patienten kommunizieren? Haftung – In welchen Fällen darf ich fernbehandeln, ohne meine Sorgfaltspflicht zu verletzen? Abrechnung – Wird meine Kommunikation mit dem Patienten bezahlt oder arbeite ich umsonst? Diese drei Themen werden wir im Folgenden genauer anschauen.
      Welche Kommunikationsverfahren sind sicher?
      Technisch gesehen handelt es sich weder bei herkömmlicher E-Mail noch bei SMS um eine sichere, also Ende-zu-Ende-verschlüsselte, Kommunikationsform. Das bedeutet, die Informationen sind hier weniger sicher als beispielsweise in einem herkömmlichen, verschlossenen Brief.
      Welche Informationen dürfen über diese unsicheren Wege verschickt werden? Unproblematisch sind alle Informationen zur Praxisorganisation – die ja in den meisten Fällen auch öffentlich auf der Webseite der Praxis stehen. Beginn und Ende der Termin- oder offenen Sprechstunde, Parkmöglichkeiten und Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, über all dies darf der Patient über jedes der genannten Medien informiert werden.
      Wie steht es mit Terminvereinbarungen und der beliebten Terminerinnerung per SMS oder E-Mail? Oft kann schon aus der Art des Termins hergeleitet werden, aus welchem Grund der Arzt aufgesucht wird. Zudem nennt der Patient in der Terminanfrage in der Regel seine Erkrankung oder den Vorstellungsgrund. Es handelt sich also um vertrauliche Daten, die nicht per E-Mail, SMS oder WhatsApp verschickt werden sollten.
      Reine Terminvereinbarungen und Terminerinnerungen per SMS sind weniger kritisch. Im Prinzip ist ja die Tatsache, dass ein Patient einen bestimmten Termin hat, auch durch Beobachtung des Praxiseingangs herauszufinden, und das Verschicken von Postkarten mit Terminerinnerungen ist ebenfalls schon lange im Alltag etabliert, so dass das Risiko, dass Datenschützer daran Anstoß nehmen, nicht null, aber relativ gering ist. Sicherheitshalber sollte das schriftliche Einverständnis eines jeden Patienten vor Nutzung von SMS oder E-Mail eingeholt werden.
      In einige Praxisverwaltungsprogramme ist auch bereits der automatische Versand von Erinnerungen per SMS oder E-Mail integriert. Ebenfalls praktisch: Hier wird in der Regel beim ersten Versand gefragt, ob eine Einverständniserklärung des Patienten vorliegt.
      Was, wenn der Patient eine vertrauliche Anfrage über SMS/Mail/WhatsApp schickt?
      Klar ist: Die Nachricht des Patienten sollte in jedem Fall beantwortet werden. Nachrichten, die im elektronischen Nirwana verschwinden, machen einen unorganisierten und unprofessionellen Eindruck.
      Wenn Du auf Nummer sichergehen möchtest, kannst Du mit einem Hinweis antworten, dass Du per E-Mail/SMS/WhatsApp keine Behandlungsanlässe besprechen möchtest und um telefonische oder persönliche Kontaktaufnahme bittest.
      WhatsApp: Berufliche Nutzung ausgeschlossen
      WhatsApp ist übrigens ein Sonderfall: Die Entwickler werben zwar mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – jedoch gibt es keinen Mechanismus, mit dem festgestellt wird, dass der Gesprächspartner tatsächlich derjenige ist, der er zu sein scheint. Andere Apps wie beispielsweise Threema haben dies so umgesetzt, dass man vor Beginn der Kommunikation (einmalig bzw. nach Neuinstallation des Messengers) einen Barcode vom Handy des Gegenübers scannen muss. Hinzu kommt, dass WhatsApp laut Geschäftsbedingungen nur für den privaten Einsatz zugelassen ist. Wenn Du WhatsApp für berufliche Zwecke nutzt und dabei „unerwünschte Nebenwirkungen“ auftreten wie zum Beispiel ein Datenleck an die Öffentlichkeit, dann kann WhatsApp damit alle Verantwortung von sich weisen.
      WhatsApp hat zwar das Potenzial der beruflichen Nutzung erkannt und arbeitet zur Zeit an einer WhatsApp-Business-Version, die zunächst in Indien auf den Markt kommen wird. Der Berichterstattung zufolge soll diese aber eher neue Möglichkeiten im Anzeigengeschäft eröffnen. Einfacher gesagt: Private Kunden sollen mehr Werbung zu sehen bekommen. Es ist nicht zu erwarten, dass WhatsApp Business bessere Datenschutzbedingungen mitbringen wird.
      Facebook: Keine vertraulichen Angaben posten
      Als Arztpraxis auf Facebook präsent zu sein, ist dagegen auch nach den Geschäftsbedingungen von Facebook möglich. Dies sollte man aber nur nutzen, um nützliche Informationen zur Praxis und Organisation zu posten, wie etwa Adresse, Telefonnummer und Sprechzeiten. Keinesfalls dürfen medizinische Befunde über Facebook verschickt werden: Nur allzu leicht können Inhalte geteilt werden, und nicht jeder Patient (und nicht jeder Praxismitarbeiter) ist sich darüber im Klaren, dass die Vertraulichkeit auf Facebook von den Einstellungen der Privatsphäre abhängig ist.
      Selbst, wenn man die Verschlüsselung im Facebook-Messenger aktiviert, sind die Nachrichten nicht sicherer als bei WhatsApp: Es fehlt hier wie dort die Garantie, dass der Gegenüber der ist, der er vorgibt zu sein.
      Wenn Deine Arztpraxis auf Facebook oder in anderen sozialen Netzwerken präsent sein will, dann gilt: Alle Angaben, die Ihr auch auf Eurer Praxiswebseite veröffentlichen würdet, sind bei Facebook gut aufgehoben.
      So weit also zu den unsicheren Verfahren. Was sind nun die sicheren Alternativen?
      Verschlüsselte E-Mails: Sicher, aber anfangs aufwändig
      Konventionelle E-Mail und SMS sind nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Datenschützer vergleichen oft: Eine unverschlüsselte E-Mail ist so vertraulich wie eine Postkarte.
      Ein hohes Sicherheitsniveau bieten dagegen mit PGP oder S/MIME verschlüsselte E-Mails. Um diese mit dem Patienten auszutauschen, muss man sich ein Schlüsselpaar generieren und dem Patienten den öffentlichen Schlüssel aus diesem Paar zukommen lassen. Sowohl Praxis als auch Patient brauchen dabei einen E-Mail-Client, der die Verschlüsselung beherrscht (dies lässt sich auch per Plugin nachrüsten). Die meisten Patienten werden die Notwendigkeit dazu nicht erkennen und zu dem zusätzlichen Aufwand nicht bereit sein.
      Ein weiterer Nachteil: In der lange erwarteten Telematik-Infrastruktur soll zwar eine Möglichkeit zur verschlüsselten E-Mail-Kommunikation zwischen Ärzten (KOM-LE) etabliert werden – diese schließt aber nicht die verschlüsselte Kommunikation mit Patienten ein. Mit S/MIME oder PGP verschlüsselte E-Mails an oder von Patienten lassen sich nicht über das Praxisverwaltungsprogramm verschicken.
      Ein verschlüsselter Messenger: Threema Work
      Einen guten Ruf unter Datenschützern hat die schweizerische App Threema. Sie bietet nicht nur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, sondern auch Authentifizierung des Gesprächspartners durch Scannen eines Barcodes. Die Features der App sind grundsätzlich die gleichen wie die von WhatsApp: Anlegen von Gruppen, Teilen von Fotos und Videos, Sprachanrufe und anderes. Es handelt sich also um eine vollwertige WhatsApp-Alternative. Nachdem bekannt wurde, dass WhatsApp von Facebook gekauft wurde, hatte Threema denn auch einen deutlichen Zustrom von Nutzern, die um die Sicherheit ihrer Kommunikation fürchteten.
      Wie WhatsApp ist das herkömmliche Threema aber auch nur für die private Nutzung vorgesehen. Als Alternative für berufliche Anwender gibt es Threema Work. Dieses hat zusätzliche Features und kann beispielsweise mit einem zentralen Verzeichnis synchronisiert und für jedes Unternehmen individualisiert werden. Es kostet in der Basisversion einmalig 4,60 EUR (Threema für Privatpersonen: 2,99 EUR). In höheren Versionen wird ein Preis von 1,30 EUR bzw. 1,80 EUR pro Monat und Nutzer fällig.
      Threema Work kann mit privaten Threema-Nutzern kommunizieren, so dass beispielsweise das Versenden von Befunden von einer Threema-Work-Instanz der Praxis an den privaten Threema-Account eines Patienten denkbar ist. Ein weiterer Vorteil: Für die Praxismitarbeiter bleibt die private Kommunikation von der beruflichen Kommunikation getrennt. So ist etwa das Risiko geringer, aus Versehen private Fotos an Patienten oder vertrauliche Befunde an private Kontakte weiterzuleiten.
      Die Identifikation als Threema-Nutzer erfolgt nicht mit der Handynummer, sondern mit einer Kennung, die aus Buchstaben und Zeichen besteht. Diese kann zwischen dem Threema-Work-Nutzer in der Arztpraxis und dem Patienten ausgetauscht werden. Es besteht also nicht die Notwendigkeit, die berufliche oder gar private Handynummer des Arztes herauszugeben.
      Nachteil: Threema ist in keines der gängigen Praxisverwaltungssysteme integriert. Von Seiten der Threema-Entwickler ist nicht geplant, eine Version für das deutsche Gesundheitssystem herauszubringen. Auch eine Desktop-App gibt es nicht.
      Dedizierte Apps und Portale für das Gesundheitswesen
      Die Videosprechstunde wird zwar stets als Paradebeispiel für die Telemedizin genannt – aber eine Videoverbindung ist keine Voraussetzung für eine zielführende Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Telemedizin-Vorreiter DrEd aus Großbritannien hat seine Videosprechstunde sogar mangels Nachfrage eingestellt und arbeitet nun nur noch mit textbasierten Fragebögen. DrEd und seine Mitbewerber sind aber insofern besonders, als dass sie die ärztliche Leistung gleich mit anbieten.
      Welche Möglichkeiten hat nun eine Ärztin oder ein Arzt in Deutschland, mit einer speziell aufs Gesundheitswesen zugeschnittenen App mit den Patienten zu kommunizieren? Die folgende Liste zeigt nur einen Ausschnitt des aktuellen Angebots.
      Mein Arzt direkt ist ein Internet-Portal, in dem Ärzte und Patienten sich in einem Online-Sprechzimmer treffen können. Mit Hilfe von individuellen Zugangscodes wird sichergestellt, dass tatsächlich nur der eingeladene Patient das Sprechzimmer betreten kann. Neben einer Einrichtungspauschale von 49,90 EUR werden eine Grundgebühr von 19,90 EUR pro Monat und eine Umsatzbeteiligung für die Rechnungsabwicklung fällig. Das Honorar pro Fall kann der Arzt dabei selbst festlegen und mit seiner Antwort zusammen mitteilen. Die Auszahlung erfolgt durch Mein Arzt direkt.
      Wie steht es um den Datenschutz? Auf der Webseite wird angegeben, dass die Daten zuverlässig verschlüsselt würden, jedoch ohne weitere Details zu nennen. Ob es sich um eine sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung handelt, ist also unklar.
      PVS-Anbieter medatixx hat eine Patientenapp im Programm, die natürlich auch in die firmeneigenen PVS eingebunden ist, und zwar als Teil der Kommunikationslösung x.comcenter: x.patient. Neben einem Messenger enthält x.patient ein Vitalparameter-Tagebuch, einen Medikationsplan mit Erinnerungsfunktion und eine automatische Folgerezeptanforderung. Wie andere medatixx-Lösungen scheint die App mit Benutzerfreundlichkeit zu punkten und ist nahtlos in das PVS eingebunden. Zur Verschlüsselung gibt es aber auch hier keine konkreten Informationen – Ende zu Ende? Ein weiterer Nachteil: Nicht jeder interessierte Arzt wird gleich das PVS wechseln wollen, um per App mit Patienten zu kommunizieren.
      Mit großen Ambitionen startete Klara (ehemals Goderma) in Deutschland: Geplant war eine Diagnostik-App, die jedoch in Deutschland unter anderem am Fernbehandlungsverbot scheiterte. Die Gründer wechselten auf zwei Arten ihre Strategie: Klara ist nun eine Kommunikationsapp – und man scheint sich vollkommen auf den US-amerikanischen Markt eingeschossen zu haben. Klara hat einige Features, die auch deutsche Praxismanagerinnen nützlich fänden: Beispielsweise kann automatisch berechnet werden, wieviel Prozent der Patienten ihren Termin nicht einhalten. Für deutsche Praxen ist eine Zusammenarbeit mit Klara, die mittlerweile in New York sitzen, leider keine Option, so lange Klara nicht dem US-europäischen Datenschutzabkommen Privacy Shield beigetreten ist.
      Zukunftsmusik: Was sollte eine Arzt-Patienten-App eigentlich leisten können?
      Keine der bisher besprochenen Lösungen fügt sich nahtlos in die Prozesse einer Arztpraxis ein – und auf Patientenseite sind zumindest die sicheren Lösungen gleichzeitig nicht komfortabel genug.
      Um Ärzten und MFAs den Alltag tatsächlich zu erleichtern, sollte eine App zur elektronischen Patientenkommunikation folgende Funktionen bereitstellen:
      Sie sollte sich auch von einem stationären Desktop-Rechner (oder Laptop) aus bedienen lassen. Idealerweise sollte sie auch mit dem PVS verzahnt sein.  Damit verbunden: Nachrichten sollen von mehreren Mitgliedern des Praxisteams bearbeitet werden können, nicht nur vom Besitzer oder Benutzer des einen Praxis-Smartphones (oder privaten Smartphones des Arztes). Sie sollte mit einer Verschlüsselung arbeiten, die den Namen auch verdient: Also Ende-zu-Ende, mit Authentifizierung der Gesprächspartner. Sie sollte für den Patienten einfach vom Smartphone aus zu nutzen sein, mit minimalem Installations- oder Anmeldungsaufwand. Sie sollte für den Patienten kostenlos sein – und idealerweise auch für den Arzt. Wir werden diesen Bereich im Auge behalten und hoffen, Euch bald eine Lösung präsentieren zu können! 
      Damit zum nächsten Thema: Wenn man für sich eine sichere und komfortable App identifiziert hat, muss als nächstes entschieden werden, in welchen Fällen und mit welchen Patienten sie zum Einsatz kommen soll.
      Wann darf ich fernberaten oder fernbehandeln?
      Die Möglichkeit der Fernberatung muss man verantwortungsvoll einsetzen: Größer als bei der persönlichen Vorstellung ist hier das Risiko, wichtige Hinweise auf schwere Erkrankungen zu übersehen oder die Dringlichkeit einer Erkrankung falsch einzuschätzen.
      Laut einer Statistik des Start-ups Klara führen 20% der elektronischen Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu einer persönlichen Vorstellung des Patienten. Der genaue Prozentsatz ist sicher sehr von den demographischen Merkmalen der Patienten abhängig. Mit der Anordnung einer persönlichen Vorstellung sollte man aber eher zu großzügig als zu sparsam sein.
      Dass vor einer Fernbehandlung zumindest einmal ein persönlicher Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden haben sollte – das oft kritisierte „Fernbehandlungsverbot“ – ist sicher eine gute Faustregel. Ein unbekannter Patient ist unter Umständen eine tickende Zeitbombe, wenn er im elektronischen Anamnesegespräch wichtige Vorerkrankungen verschweigt, die im persönlichen Gespräch möglicherweise durch körperliche Zeichen aufgefallen wären.
      Bei einem bekannten Patienten gibt es eine ganze Reihe von Anlässen, die sich für die elektronische Konsultation eignen:
      Wundkontrollen (fotografisch) Verlaufskontrollen von Hauterkrankungen Fragen zur Medikamenteneinnahme Fragen zu vom Patienten oder Pflegedienst gemessenen Vitalwerten (Blutdruck, Blutzucker, INR-Wert) Besprechung des weiteren Vorgehens nach Krankenhausaufenthalt oder Facharztbesuch Verlaufskontrolle von Gesundheitsstörungen, die evtl. eine Überweisung zum Facharzt oder ins Krankenhaus notwendig machen (LWS-Schmerzen, Sodbrennen, Restless Legs) Übermittlung von Befunden inkl. Laborergebnissen Wenn sich hier Komplikationen andeuten – Wundinfekt, Blutdruckspitzen oder ähnliches – muss eine persönliche Vorstellung vereinbart werden.
      Nicht geeignet für die elektronische Konsultation sind Anlässe, bei denen entweder ein schwerwiegender Verlauf möglich ist und zeitnah ausgeschlossen werden muss, oder Erkrankungen, zu denen noch kein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden hat, zum Beispiel :
      Akute, erstmalig aufgetretene Symptome, wie Brustschmerzen, Atemnot oder auch Beschwerden im Rahmen eines grippalen Infekts Blutdruck- und Blutzuckerentgleisungen Herzrhythmusstörungen (Arrhythmie) oder Herzfrequenzstörungen (Bradykardie, Tachykardie) Akut aufgetretene neurologische Ausfälle Dies ist keine erschöpfende Aufzählung. Im Einzelfall muss stets vorsichtig abgewogen werden, ob eine persönliche Konsultation angezeigt ist, um schwerwiegende Verläufe rechtzeitig zu erkennen.
      Wie kann man elektronische Kommunikation abrechnen?
      Nach GOÄ können die Nummern 1 (Beratung) und 3 (eingehende Beratung, mind. 10 min) auch für die Beratung „per Fernsprecher“ abgerechnet werden. Dies lässt sich auch auf die elektronische Kommunikation verallgemeinern. Voraussetzung ist auch hier, dass der Erstkontakt nicht nur elektronisch erfolgt ist. Obwohl für Telefonate Zuschläge für Unzeiten erhoben werden können: A – außerhalb der Sprechstunde, B – zwischen 20 und 22 Uhr sowie zwischen 6 und 8 Uhr, C – zwischen 22 und 6 Uhr sowie D – samstags, sonn- und feiertags, wird in Bezug auf E-Mail und Instant Messaging eher davon abgeraten, da auch eine asynchrone Bearbeitung der Nachrichten, beispielsweise am Montagmorgen, möglich ist.
      Nach EBM können sogenannte „mittelbare“ Arzt-Patienten-Kontakte dann abgerechnet werden, wenn es entweder im Quartal keinen anderen Kontakt gab (Ziffer 01435) oder die Inanspruchnahme unvorhergesehen und zur Unzeit erfolgt (Ziffer 01100 / 01101). Was mittelbare Patientenkontakte sind, wird in den Allgemeinen Bestimmungen der KBV definiert: Kontakte, bei denen sich Arzt und Patient nicht am selben Ort befinden, soweit dies berufsrechtlich zulässig ist. Wie wir oben schon festgestellt haben, ist die elektronische Kommunikation zulässig, soweit sie zuverlässig verschlüsselt ist, könnte also als mittelbarer Kontakt theoretisch wie oben abgerechnet werden. Aber: Wegen des Fernbehandlungsverbots muss zuvor ein Patientenkontakt stattgefunden haben – und wenn dieser im gleichen Quartal war, wird die Ziffer 01435 wiederum gestrichen. Die Abrechnungsmöglichkeiten nach EBM sind also eher mager.
      Anders bei der Videosprechstunde. Diese stellt Arzt und Patient weitere Medien zur Verfügung, um ein vollständiges Bild des Behandlungsanlasses zu zeichnen: Bild und Ton. Durch die Vorgaben des E-Health-Gesetzes hat auch eine abrechenbare Leistungsziffer nach EBM in die Gebührenordnung Einzug gehalten.
      Kann die Videosprechstunde also eine Ergänzung zur textbasierten Kommunikation sein? Dieser Frage gehen wir in diesem Artikel nach:
      Wie sind Eure Erfahrungen mit der elektronischen Kommunikation mit Patienten? Teilt sie mit uns im Forum!
    • Von Christina Czeschik
      Ab April können in der Praxis zwei neue EBM-Ziffern abgerechnet werden: Die Videosprechstunde (GOP 01439, entsprechend 88 Punkten bzw. 9,27 EUR) und der zugehörige Technikzuschlag (GOP 01450, entsprechend 40 Punkten bzw. 4,21 EUR).
      Nach GOÄ wird die Videosprechstunde schon seit längerem mit den Ziffern 3 und 5 abgerechnet.
      Welche technischen Voraussetzungen muss die Praxis herstellen, um eine Videosprechstunde anbieten zu können? Welche Voraussetzungen muss der Patient erfüllen – und lohnt sich der ganze Aufwand unterm Strich? Diesen Fragen werden wir im folgenden Artikel nachgehen.
      Hardware und Internetverbindung für die Videosprechstunde
      Eine Videosprechstunde kann mit jedem Rechner, Tablet oder Smartphone durchgeführt werden, mit dem auch ein Skype-Gespräch möglich ist. In fast allen aktuellen Laptops sind bereits Kamera (Webcam) und Mikrofon verbaut, und in Tablets und Smartphones sowieso. Desktop-Computer müssen gegebenenfalls durch eine externe Kamera und ein Mikrofon nachgerüstet werden. Dies ist aber im Zeitalter von Plug & Play nicht aufwändig: Man steckt die Hardware ein und das Betriebssystem holt sich online die entsprechenden Treiber – und sofort können Kamera und Mikrofon benutzt werden.
      Aufgrund des kleinen Bildschirms ist ein Smartphone jedoch von den genannten Geräten die schlechteste Wahl, um eine Videosprechstunde durchzuführen. Dem Patienten wird jedoch manchmal nichts anderes zur Verfügung stehen.
      Eine bessere Tonqualität wird erreicht, wenn sowohl Arzt als auch Patient ein Headset verwenden: einen Kopfhörer mit integriertem Mikrofon. Wenn dagegen ein normaler Lautsprecher verwendet wird, kann es zu Rückkopplungen kommen: Das Mikrofon fängt den Ton des Lautsprechers auf und gibt diesen wiederum auf dem Lautsprecher aus. Dies äußert sich als Pfeifen oder Echo, kann sehr unangenehm sein und lässt sich unterbrechen, indem man Mikrofon und Lautsprecher weiter voneinander entfernt oder für einen Moment abschirmt. Rückkopplungen sind schwieriger zu vermeiden, wenn man ein Smartphone oder ein Tablet benutzt – ein weiterer Grund, um zumindest auf Smartphones zur Videosprechstunde zu verzichten.
      Weitere Voraussetzung einer guten Videoverbindung – wie jeder weiß, der regelmäßig Skype oder YouTube nutzt – ist eine ausreichend schnelle Internetverbindung. Wenn nicht von mehreren Computern in der Praxis gleichzeitig eine Videosprechstunde abgehalten wird, genügt hier DSL mit 16 Mbit/s. Auch mit langsameren Verbindungen ist eine Videosprechstunde im Prinzip noch möglich, es kann aber zu Bild- und Tonstörungen kommen, insbesondere, wenn die Internetverbindung noch von anderen genutzt wird.
      Wenn Du die Videosprechstunde vom Tablet oder Smartphone aus durchführst, kannst Du zwischen dem WLAN der Praxis und mobilem Internet wählen. Die Videosprechstunde per mobilem Internet ist erst ab dem Standard H+ sinnvoll – besser noch LTE oder 4G (siehe Anzeige in der Statuszeile des Geräts). Mit H+ kommt man unter idealen Bedingungen auf 14,4 Mbit/s – das heißt, wenn der DSL-Anschluss der Praxis mindestens 16 Mbit/s liefert, wird die Qualität dort besser sein.
      Mit Laptop- oder Desktop-Computer hast Du im Praxisnetz die Möglichkeit, entweder über WLAN online zu gehen oder Dich mit einem LAN-Kabel mit dem DSL-Modem oder -Router zu verbinden. Wenn es von der Raumaufteilung her möglich ist – der Router also in einem Raum steht, in dem Du auch die Videosprechstunde abhalten kannst – ist es immer besser, das Kabel zu verwenden. Über WLAN besteht immer das Risiko, dass durch Hindernisse zwischen Dir und dem Sender oder auch durch Interferenzen aus der Praxis oder von Euren Nachbarn das Signal schlecht wird.
      Software und Webdienste für die Videosprechstunde
      Die Hardware ist vorhanden, die Internetverbindung steht, jetzt den Patienten einfach mal anskypen?
      Besser nicht. Zunächst einmal muss der Arzt eine schriftliche Einverständniserklärung des Patienten zur Erhebung und Verarbeitung seiner Daten einholen. (Aufgezeichnet werden darf die Videosprechstunde übrigens trotzdem nicht!)
      Darüber hinaus stellen GKV-Spitzenverband und KBV eine ganze Reihe von technischen Anforderungen an den Videodienst, die von Lösungen Marke Eigenbau nur sehr schwer erfüllt werden können.
      Zunächst – wie bei der schriftlichen elektronischen Kommunikation auch – muss eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung durchgeführt werden, und es dürfen keine zentralen Server für die Kommunikation verwendet werden. Die Verbindung muss Peer-to-Peer aufgebaut werden, also nur zwischen Computer des Arztes und Computer des Patienten. Zentrale Server dürfen nur zur Vermittlung eines Gesprächs eingesetzt werden und müssen innerhalb der EU stehen.
      Zudem sind nur solche Lösungen abrechenbar, bei denen der Patient keinen eigenen Zugang anlegen muss.
      Selbstverständlich darf der Anbieter die Inhalte der Videosprechstunde nicht sehen – dies ist aber technisch bei einer ordentlich umgesetzten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auch gar nicht möglich. Zudem darf er die Verbindungsdaten nicht länger als drei Monate speichern. Auch Werbung darf in der Videosprechstunde nicht geschaltet werden.
      Schließlich benötigt der Anbieter noch Zertifizierungen bezüglich IT-Sicherheit und Datenschutz, beispielsweise vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).
      Nach diesem Anforderungskatalog sind praktisch keine Anbieter von privaten Videotelefonie-Lösungen wie Skype oder Jitsi mehr im Rennen.
      Es sind daher schon einige Anbieter auf dem Markt, die spezialisierte Dienste für die Videosprechstunde anbieten.
      Patientus
      Am bekanntesten ist wohl Patientus, das bereits im letzten Jahr in einer Kooperation zwischen TK und dem Berufsverband der Dermatologen (später auch einem HNO-Verband) in die Wohnzimmer vieler Patienten vorgedrungen ist. Das ehemalige Startup wurde vor kurzem von Jameda erworben.
      Patientus empfiehlt den Einsatz der Videosprechstunde in folgenden Fällen: Zur allgemeinen Information, beispielsweise über Behandlungsangebote der Praxis, zur Verlaufskontrolle bei Bestandspatienten und – als Arzt-Arzt-Kontakt – zur Einholung einer Zweitmeinung.
      Zwei Tarife stehen zur Auswahl: Der Standardtarif kostet die Praxis 29 EUR pro Monat und hat eine Mindestvertragslaufzeit von 12 Monaten. Der Professional-Tarif kostet 59 EUR pro Monat und ist monatlich kündbar. Hier gibt es zusätzlich Telefonsupport (sonst nur E-Mail) sowie ein Termintool für die Praxiswebseite, mit dem auch herkömmliche Termine vereinbart werden können.
      Beide Tarife kommen jeweils mit nur einer Lizenz. Arbeiten zwei oder mehr Vertragsärzte in einer Videosprechstunde zusammen, müssen also mehr Verträge abgeschlossen werden.
      Der Zugang des Patienten ins System erfolgt durch einen sechsstelligen Code, den er auf einem Kärtchen in der Arztpraxis ausgehändigt bekommt und auf der Patientus-Webseite eingibt. Die Nutzung erfolgt also durch den Webbrowser ohne Installation zusätzlicher Software auf Seiten von Patient oder Arzt. Eine App für Patienten ist jedoch nach Angaben auf der Patientus-Webseite in Entwicklung.
      Arztkonsultation.de
      Auch bei arztkonsultation.de ist nur ein Arzt pro Konto zugelassen. Dieser Diensteanbieter arbeitet mit drei verschiedenen Tarifen:
      Der Basistarif kostet keine monatliche Grundgebühr, jedoch 12 EUR pro Videogespräch. Der Standardtarif kostet pro Monat 59 EUR. Hier werden keine zusätzlichen Gebühren pro Gespräch fällig. Der Premium-Tarif (89 EUR pro Monat) enthält zusätzlich die Möglichkeit zum Textchat und zum Austausch von Dateien (z.B. PDFs von Befunden) sowie die Möglichkeit, einen dritten Teilnehmer – beispielsweise als Konsiliararzt – hinzuzuschalten. Alle drei Tarife sind monatlich kündbar.
      Eine Besonderheit gegenüber Patientus: Es kann auf Wunsch ein Dolmetscher per Video hinzugezogen werden. Dies kostet 70 EUR pro Stunde.
      Auch hier müssen Arzt und Patient keine zusätzliche Software installieren – die Nutzung mit iOS-Geräten (iPhone, iPad) ist jedoch zur Zeit noch nicht möglich. Dem Patienten wird in der Praxis eine Zugangskarte übergeben, deren aufgedruckter Code den Eintritt in das virtuelle Sprechzimmer erlaubt.
      Andere Anbieter
      Auf der Medizin-IT-Konferenz conhIT im Jahr 2016 haben die Firmen concat AG, Vidyo und identos in Kooperation ebenfalls eine Lösung für Videosprechstunden angeboten. Mittlerweile ist diese aber auf den Webseiten der beteiligten Unternehmen nicht mehr aufzufinden und wird offenbar auch nicht mehr beworben. Das in New Jersey ansässige Unternehmen Vidyo bietet zwar Videokonferenzlösungen für Unternehmen an, scheint aber – mit einer nur notdürftig ins Deutsche übersetzten Webseite – sehr auf die USA fokussiert, so dass ihre Software für die Videosprechstunde nicht empfohlen werden kann.
      In Zukunft will auch der Anbieter free-med seinen registrierten Nutzern eine Videosprechstunde zur Verfügung stellen, zum Preis von 48 EUR pro Monat oder – bei jährlicher Zahlung – 32 EUR pro Monat. free-med ist eine Ausgründung der Ärztlichen Gesellschaft für Gesundheit und Prävention e.V. (ÄGGP). Wann genau die Videosprechstunde starten soll, ist noch nicht bekannt.
      Ebenfalls ein neuer Anbieter ist Heymer Consult mit Hevido med. Dieses Videokonferenzsystem wurde ursprünglich für den Einsatz in Dentallaboren konzipiert. Für den Einsatz in der Videosprechstunde werden zur Zeit Referenzkunden gesucht.
      Lange im praktischen Einsatz ist dagegen schon elVi, die elektronische Visite, entwickelt von einer Ausgründung des genossenschaftlichen Ärztenetzes Medizin und Mehr (MuM) in Bünde. Die Lösung beinhaltet nicht nur Hard- und Software für die Videosprechstunde, sondern auch Terminplanung, Alarmierung per SMS und Smartphone-App sowie Einbindung externer Geräte, beispielsweise Tele-EKG. Das System aus Software und Hardware ist auf mobilen Einsatz ausgelegt, so kann die Kamera etwa beim Verbandswechsel an ein Möbelstück in der Nähe geclippt werden. Der Preis für das gesamte System ist individuell zu erfragen und richtet sich nach der Größe der Einrichtung.
      Was muss man organisatorisch beachten?
      Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schreibt vor: „Zu Beginn der Videosprechstunde hat auf beiden Seiten eine Vorstellung aller im Raum anwesenden Personen zu erfolgen.“ Die Videosprechstunde sollte also nicht in einem Raum durchgeführt werden, in dem Mitarbeiter ein- und ausgehen – natürlich nicht nur wegen der KBV-Vorschriften, sondern auch, um Ruhe und Konzentration in der Sprechstunde zu gewährleisten. Dies ist in der Videosprechstunde besonders wichtig, da die Worte des Patienten bei Verbindungsstörungen auch einmal schwer verständlich sein können. Zudem ist der Patient, wie in einer Präsenzsprechstunde, zu Recht verunsichert, wenn der Eindruck entsteht, dass der Arzt abgelenkt oder anderweitig beschäftigt ist.
      Eine weitere Vorschrift der KBV: „Aufzeichnungen jeglicher Art sind während der Videosprechstunde nicht gestattet.“ Es dürfen also weder Videoaufzeichnungen noch Screenshots (Schnappschüsse des BIldschirminhaltes) angefertigt werden. Ob diese Regelung sinnvoll ist, darüber kann man sich streiten: Beispielsweise wäre eine Dokumentation von Hautveränderungen in der Videosprechstunde leicht über einen Screenshot zu bewerkstelligen. Möglicherweise wird die Regelung in Zukunft an die Erfordernisse des Alltags angepasst.
      Außerdem schreibt die KV vor, dass die Videosprechstunde vom Vertragsarzt selbst durchgeführt werden muss, also nicht an angestellte Ärzte oder MFAs delegiert werden darf.
      Die Terminvereinbarung für die Videosprechstunde kann bei den oben genannten Anbietern über deren Webseite erfolgen. Man darf jedoch nicht vergessen, den Patienten vor der ersten Videosprechstunde eine Einverständniserklärung unterschreiben zu lassen.
      Wer darf die Videosprechstunde anbieten – und zu welchen Indikationen?
      Die Videosprechstunde ist noch weit davon entfernt, ein alltägliches Phänomen in deutschen Praxen zu werden:
      Sowohl die Fachgruppen, die sie abrechnen dürfen, als auch die zulässigen Indikationen sind erst einmal streng begrenzt.
      Die Videosprechstunde abrechnen dürfen:
      Hausärzte und Internisten Kinderärzte Anästhesisten Augenärzte Chirurgen HNO-Ärzte MKG-Chirurgen Neurologen, Nervenärzte, Neurochirurgen und Psychiater Orthopäden Gynäkologen Dermatologen Urologen Phoniater und Pädaudiologen Fachärzte für physikalische und rehabilitative Medizin Abgerechnet werden darf bei folgenden sechs Indikationen:
      Visuelle postoperative Verlaufskontrolle einer Operationswunde Visuelle Verlaufskontrolle von akuten, chronischen und/oder offenen Wunden Visuelle Verlaufskontrolle von Dermatosen Visuelle Beurteilung von Bewegungseinschränkungen oder Bewegungsstörungen des Stütz- und Bewegungsapparates, auch nervaler Genese, als Verlaufskontrolle Beurteilung der Stimme und/oder des Sprechens und/oder der Sprache als Verlaufskontrolle Anästhesiologische postoperative Verlaufskontrolle Lohnt sich die Videosprechstunde?
      Auch, wenn Du und Deine Praxis zu einer der oben genannten Fachgruppen gehören und die Indikation beim Patienten stimmt, dürfen die Positionen Videosprechstunde (GOP 01439) und Technikzuschlag (GOP 01450) nicht unbegrenzt abgerechnet werden:
      Zur Abrechnung der Videosprechstunde (GOP 01439) muss der Patient schon einmal in der Praxis gewesen sein (sonst Fernbehandlungsverbot), dies darf aber nicht im gleichen Quartal gewesen sein (sonst fällt die Videosprechstunde unter die Grundpauschale). Sie darf also nur dann abgerechnet werden, wenn der Patient sich in einem der Vorquartale vorgestellt hat.
      Bei einem Gegenwert von 88 Punkten bzw. 9,27 EUR lohnt sich also allein für die Abrechnung dieser Ziffer die Einführung der Videosprechstunde nicht.
      Der Technikzuschlag dagegen darf auch für Videokontakte abgerechnet werden, die unter die Versichertenpauschale fallen – aber nur maximal 47 mal pro Quartal (pro Arzt, nicht pro Patient!).
      Hier kommt man also auf maximal 200 EUR pro Quartal (Mengenbegrenzung bei 1899 Punkten).
      Anhand dieser Rechnung sieht man, dass sich die Zahlung von 12 EUR pro einzelner Videosprechstunde, wie arztkonsultation.de sie anbietet, zumindest in Bezug auf die Erstattung von den Kassen nicht lohnt: Selbst, wenn die Videosprechstunde ebenfalls abgerechnet werden darf (GOP 01439), kommt man gemeinsam mit dem Technikzuschlag GOP 01450 nur auf 13,48 EUR. Bei der Mehrzahl der Videosprechstunden, die nur mit 4,21 EUR vergütet werden, macht man bei diesem Modell fast 8 EUR Verlust pro Sprechstunde.
      Wie sieht es mit den Flatrates aus? Die monatlichen Tarife variieren zwischen 29 EUR (Standardtarif von Patientus) und 89 EUR (Premium-Tarif von arztkonsultation.de). Das macht im Quartal rund 90 EUR bis rund 270 EUR.
      Die KBV hat bei der Festlegung der Punktwerte offenbar nur mit den preiswertesten Angeboten gerechnet: Sie schreibt, dass bei Einnahmen von 100 EUR pro Quartal die technischen Kosten gedeckt würden und die anderen 100 EUR der „Förderung der Videosprechstunde“ dienen sollen. Dies ist nur mit den billigsten Tarifen zu realisieren. Schon bei den nächsthöheren Tarifen (sowohl bei Patientus als auch bei arztkonsultation.de 59 EUR pro Monat, also rund 180 EUR pro Quartal) bleibt kaum noch Gewinn für die Praxis übrig.
      Fazit: Bei Durchführung von möglichst genau 47 Videosprechstunden pro Quartal und Nutzung des billigsten Tarifs kann auch die Abrechnung nach EBM der Videosprechstunde sich mit etwa 110 EUR pro Quartal auszahlen.
      In allen anderen Fällen ist die Videosprechstunde vielmehr als eine Serviceleistung für den Patienten zu betrachten und als ein Instrument, die Patientenzufriedenheit zu steigern. Ob Deine Patienten sich für die Videosprechstunde interessieren, findest Du sicher im Praxisalltag heraus – oder anhand einer Patientenumfrage.
      Habt Ihr schon Erfahrungen mit der Videosprechstunde gesammelt? Plant Ihr, sie einzuführen? Diskutiert mit im Forum!
    • Von Polarlys
      Hallo zusammen!
      Kurz vor dem Weihnachtsfest eine kurze Frage an die Community:
      Welche Erfahrungen habt Ihr mit Preisangaben zu Privat-/IGeL-Leistungen auf Eurer Praxishomepage gemacht? Die meisten scheinen dort keine Preisangaben zu machen, obwohl dies ja für Patienten durchaus interessant sein dürfte. Eventuell erspart man sich ja dadurch Diskussionen über den Preis einer Leistung in der Praxis (z.B. Akupunktur, Reisemedizin, Laktat-Leistungsdiagnostik, Carotis-Duplexsonographie etc.), da Menschen, denen die Leistung zu teuer ist und sich auf der Praxishomepage informiert haben, von vornherein ausgesiebt werden. Auch die Platzierung von angepaßten IGeL-Verträgen zum Download, Ausfüllen im voraus und Mitbringen in die Praxis wäre dann eine denkbare Vereinfachung.
      Gegen die Angabe von Preisen auf der Praxishomepage könnten evtl. rechtliche Bedenken sprechen. Oder man will das "Geheimnis" um den individuellen Praxispreis (Steigerungsfaktor) einer Leistung nicht im Internet lüften und so umliegenden Kollegen zugänglich machen.
      Was ist Eure Meinung/Erfahrung hierzu? Ich bin gespannt!


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