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  • Wie viel Qualitätsmanagement braucht die Arztpraxis?


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    Seit 2004 besteht unter anderem für Vertragsärzte die gesetzliche Verpflichtung, ein nachgewiesenes Qualitätsmanagement einzuführen. Verankert ist diese Verpflichtung zur Qualitätssicherung für den niedergelassenen Arzt im SGB V (Sozialgesetzbuch 5). Es entstand eine lebhafte Diskussion, wie sinnvoll ein QM-System für eine Praxis überhaupt sein kann. Vor allem die Befürchtung, dass dem erfahrenen Mediziner fortan detailliert vorgeschrieben werden sollte, wie er seine Leistungen zu erbringen hat, war Gegenstand der Diskussion und führte zunächst auf breiter Ebene zur Ablehnung dieser gesetzlichen Neuerung. Doch ist diese Form der Qualitätssicherung wirklich so rigide und vor allem sinnlos?

    Was verlangt ein nachgewiesenes Qualitätsmanagement eigentlich konkret?

    „Nachgewiesen“ heißt vor allem, dass das System dokumentiert ist. Das geschieht in Form eines Handbuches, in dem die für die Praxis qualitätsrelevanten Abläufe, Ziele, Verantwortlichkeiten usw. dargestellt werden. Belege oder Nachweise machen die Dokumentation überprüfbar. Die Angst vor noch mehr Bürokratie, die bei Arzt und Mitarbeitern leicht aufkommt, ist unbegründet. Die meisten dieser Nachweise entstehen ohnehin in jedem normalen Arbeitsablauf. So ist die Patientenakte der wichtigste und umfängliche Nachweis für die Behandlung, der Lieferschein der Nachweis für ein geordnetes Bestellwesen und die Teilnahmebestätigung an einer Fortbildung der Nachweis für den Willen zur ständigen Weiterentwicklung der Leistungen. Zusätzliche Nachweisdokumente, die durch die Mitarbeiter erstellt werden müssen, entstehen kaum. Wo gefordert, sind sie wertvolle Gedächtnisstützen (ähnlich einer Einkaufsliste für den Wochenendeinkauf) und erleichtern den Arbeitsablauf.

     

    Wer bestimmt, was Inhalt des QM-Handbuches ist?

    Der Arzt wird im Idealfall immer mit seinem Team gemeinsam festlegen, welche Arbeitsabläufe wichtig sind und als „Anweisung“ in das Handbuch Eingang finden. Vor allem das Leitbild und die Qualitätspolitik sind individueller Ausdruck des Umgangs mit den Patienten und miteinander, sie sollten gemeinsam entwickelt werden. Abgesehen von wenigen konkret geforderten Regelungen ist die jeweilige Praxis im Übrigen völlig frei in der Entscheidung über den Inhalt. Die Anweisungen sind individuell, allerdings läuft beispielsweise eine Blutentnahme sicher ähnlich ab wie beim Kollegen. Die wirklich vorgeschriebenen Regelungen werden vom individuell gewählten QM-System bestimmt: Neben der aus der Industrie kommenden Norm DIN EN ISO 9001:2008 haben sich mehrere speziell für den medizinischen Bereich entwickelte Systeme etabliert (wie KTQ, KPQM 2006, QEP). Diese Systeme bilden bei der Einführung von QM den roten Faden, sie liefern auch standardisierte Musterabläufe zur Unterstützung der eigenen Formulierungen. Alle Systeme sind bundesweit gültig und können auf Wunsch freiwillig zertifiziert (extern überprüft) werden.

    Was sollte unbedingt Bestandteil des Handbuches sein?

    Neben den von der QM-Norm geforderten Inhalten (Qualitätspolitik, Zielplanung, Weiterbildungsplanung usw.) kann jedes Praxisteam selbst über den Inhalt entscheiden. Die Unterschiede ergeben sich durch die zahlreichen medizinischen Fachrichtungen und die daraus resultierenden unterschiedlichen Tätigkeiten. Wichtige Regel: Zuerst alle sicherheitsrelevanten, also potentiell „gefährlichen“, Abläufe regeln! Das dient der Sicherheit von Patienten und Mitarbeitern und ist ein guter Leitfaden für alle Mitarbeiter und Auszubildenden, die neu zum Team stoßen. Die Unterstützung der optimalen Einarbeitung neuer Mitarbeiter durch das Handbuch ist übrigens einer der großen Vorteile von QM. Auch die ohnehin zu befolgenden gesetzlichen Anforderungen wie Datenschutz, Arbeitsschutz etc. sind gut durch verbindliche Anweisungen einzubinden.

    QM auch für kleine Teams?

    Der Umfang des QM-Handbuches wird nirgends vorgeschrieben. Nur die Erstellung macht etwas Arbeit, danach ist alles sehr „pflegeleicht“. Wird also ein QM-System der Teamgröße angepasst, ist es auch für ein kleines Praxisteam ein gutes Instrument, Arbeitsabläufe zu standardisieren und auf hohem Qualitätsniveau abzusichern. Es dient der Patientenzufriedenheit, da eine einheitliche Vorgehensweise und medizinische Standards gewährleistet sowie Zuständigkeiten bekannt sind. Wer weiß, was er tun darf bzw. muss und eine Anleitung zur Hand hat, arbeitet sicherer. Das Handbuch sollte deshalb immer für jeden Mitarbeiter zugänglich sein. Die Handlungssicherheit kann die Stimmung auch im Team positiv beeinflussen. Praxisinhaber und Mitarbeiter profitieren von gesicherten Abläufen im Qualitätsmanagement.

    bearbeitet von Teramed




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