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  • QM - Risiko- und Fehlermanagement jetzt Pflicht


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    Laut einer Richtlinie der G-BA müssen Arztpraxen seit Januar 2014 zusätzlich zum Qualitätsmanagement ein Risikomanagement und ein Fehlermanagement einführen. Die G-BA als oberstes Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung von Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Krankenhäusern und der gesetzlichen Krankenkassen sieht es als notwendig an, diese zusätzlichen Richtlinien im Sinne der Patientensicherheit einzuführen. Welche Konsequenzen dies für jede einzelne Arztpraxis hat, zeigt dieser Beitrag.

    Was kommt auf das Qualitätsmanagement der Arztpraxen zu?

    Die neuen QM-Richtlinien fordern von der Arztpraxis, Risiken zu analysieren, zu bewerten, zu bewältigen und zu überwachen.

    Betrachten wir dies am Beispiel folgender Situation: in einer Arztpraxis wird eine Spritze verwechselt und eine MFA spritzt dem Patienten ein falsches Medikament. Im Rahmen der Risiko-Analyse werden mögliche Umstände festgehalten, die zu einer solchen Panne führen können.

    Beispielsweise könnte die Verwechslung darauf zurückzuführen sein, dass die Medikamente ähnlich aussehen, aber falsch gelagert werden und dass überlastete MFA hier leicht einen Fehler machen können.

    Die Risiko-Bewertung zeigt auf, welche Konsequenzen eine solche Panne haben kann. Eine falsche Substanz in einer Spritze kann theoretisch den Tod des Patienten verursachen. Daher gilt es im Rahmen der Risikobewältigung Gegenstrategien festzulegen, die getroffen werden müssen, wenn ein solcher Ernstfall eintritt.

    Die Risiko-Überwachung schließlich verlangt von der Arztpraxis, Standards festzulegen, damit solche Katastrophen-Szenarien Szenarien bleibe und nicht zum Ernstfall werden. Das heißt, wasserdichte Abläufe definieren, unterstützt durch plausible, einfach einzuhaltende und umfassende Checklisten und Vorgangsbeschreibungen pro Therapieschritt und Behandlungsart. Das erfordert vom Arzt als Praxisinhaber ein exzellentes Führungsverhalten bei der Umsetzung.

    Fehlermanagement durch fehlerfreudiges Führungsverhalten

    Die B-FA fordert für die Umsetzung der Richtlinien, niederschwelligen Dokumentationsaufwand, und gibt den Ärzten auf den Weg, dass MFA Fehler freiwillig, anonym und sanktionsfrei dokumentieren können. Das bedeutet, niemand darf für eine Fehlerdokumentation in die Pfanne gehauen werden.

    Moderne Führungstheorien sprechen hier von fehlerfreudiger Führung. Nur wenn Fehler im Zweifel auch mal passieren dürfen, können sie auf lange Sicht vermieden werden. Mit Fehlerfreudigkeit ist offener Dialog mit den MFA und Mitarbeitern gemeint, ansonsten wird Fehlermanagement zur Fehlervertuschung. Fehlerfreudigkeit ist nicht Laissez-Faire, sondern minutiösese Nachgehen jeder auch noch so kleinen Fehlerquelle sine ira et studio.

    Fehlerdokumentation im Rahmen des Risikomanagements

    Wie werden Fehler am besten dokumentiert? In Frage kommen Aufzeichnungen der MFA und Ärzte zum Beispiel anhand dieser Vorlage zur Fehler- und Beschwerdemanagement

    Einige Anbieter von Praxis-Software bieten auch eine direkte QM-Dokumentationen an.

    Nutzen Sie die Mitarbeiter- und Patientenbefragungen: In jedem Fall steigt mit dem zusätzlichen Aufwand des Dokumentierens der mögliche Widerstand gegen die Einführung von Riskomanagement und Fehlermanagement. Das Führungsverhalten des Arztes ist erneut gefordert. Jetzt ist seine Begabung als Change-Agent gefragt. Wer aus Fehlern anderer Arztpraxen lernen möchte, kann in der Datenbank des Fehlerberichts-und Lernsystem für Hausarztpraxen recherchieren.

    Organisatorische Widerstände beim Einführen des QM überwinden

    Einführungen von neuen organisatorischen Vorgehensweisen laufen in der Regel nicht reibungslos ab. In der ersten Phase leugnen Mitarbeiter (MFA und Ärzte) meistens die Notwendigkeit neuer Regelungen. Hier muss der Praxismanager verbindlich, aber hartnäckig bleiben. Eine Teambesprechung alleine reicht nicht. Sie/er tut gut daran, sich gleich zu Beginn "Gefolgsleute" ins Boot zu holen, z.B. besonders engagierte und loyale MFA.

    Die folgende Phase ist das Akzeptieren der neuen Regelungen ohne große emotionale Zustimmung. Hier arbeiten MFA und Ärzte nach dem Motto "Dienst nach Vorschrift". Auch in dieser Phase braucht es weitere Überzeugungsarbeit, viel Geduld und Zeit für Motivations-Gespräche.

    Erst zum Schluss ist das Praxisteam auch mit dem Herzen dabei. Sie haben die Wichtigkeit der neuen Regelungen erkannt und sehen sie als Teil ihrer Berufung. Wenn der Praxismanager mit seinem Team diese Phase erreicht hat, hat sie/er gewonnen. Je offener der Dialog zwischen Praxismanager und seinem Team, desto besser gelingt der Change-Prozess des Erweiterns von Qualitätsmanagement um Risikomanagement und Fehlermanagement.

    Fazit

    Dass die Regelungen Vorschrift sind, heißt noch lange nicht, dass sich diese neuen QM-Richtlinien von alleine umsetzen. Das Führungsverhalten des Praxismanager ist hier gefragt, wenn die Einführung von Risikomanagement und Fehlermanagement gelingen soll. Wer sich möglicher organisatorischer Widerstände bewusst ist und im Vorfeld entsprechende Maßnahmen trifft, wird die neuen Regelungen und Vorschriften zu mehr Patientensicherheit schneller und erfolgreicher umsetzen.



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