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  • Hausbesuche organisieren


    teramed

    In vielen Praxen entsteht Stress, sobald ein Hausbesuch angefordert wird: Das Thema "Hausbesuch" ist oft emotional negativ aufgeladen. Das muss nicht sein! Mit konkreten "Spielregeln" für Hausbesuchsanfragen kehrt im Alltag Ruhe ein und die Besuche lassen sich im Rahmen des Qualitätsmanagements optimal organisieren.

    Anforderung von Hausbesuchen: vor allem montags vormittags und freitags

    Am häufigsten fragen Patienten oder ihre Angehörig am Montagvormittag oder vor dem Wochenende und vor Feiertagen nach einem Hausbesuch. Das gilt auch für Patienten, die ohnehin regelmäßig besucht werden müssen. Das hat natürlich Gründe:

    • Die Patienten sind am Freitag oder Samstag aus dem Krankenhaus entlassen worden, und zwar mit der Instruktion "Stellen Sie sich sofort beim Hausarzt vor".
    • Der ärztliche Notdienst war am Wochenende da, mit der Bitte, die Beschwerden so bald wie möglich vom hausärztlichen Kollegen kontrollieren zu lassen.
    • Es gab am Wochenende Besuch von Angehörigen, die medizinische und organisatorische Sachverhalte geklärt haben möchten.

    Die Patienten und Angehörige verhalten sich in diesen Fällen also ganz nachvollziehbar:

    Sie rufen in der Praxis an, sobald diese offen ist.

    Dringlichkeit von Hausbesuchen

    Man sollte sich jedoch klarmachen: Es wird selten erwartet, dass der Hausbesuch sofort oder am gleichen Tag erfolgen soll. Das wird häufig vom medizinischen Fachpersonal oder den Ärzten in die Anfrage hineininterpretiert.

    So ist dann auch die weitere Kommunikation mit Patienten oder Angehörigen vorprogrammiert:

    1. Patient oder Angehöriger ruft an und bittet um Hausbesuch.
    2. MFA am Telefon verbindet entweder direkt zum Arzt (der auf die Störung wahrscheinlich missmutig reagiert) oder
    3. MFA schreibt eine Notiz (auf Papier oder per EDV) "Pat. X wünscht HB, bitte Rückruf".
    4. Ärztin oder Arzt versucht im Rahmen des Telefonats, sich nichts von dem aufkommenden Ärger anmerken zu lassen, versucht aber, den Hausbesuch abzuwimmeln.
    5. Die Kommunikation eskaliert, da der Patient oder Angehörige jetzt schon den Eindruck hat, sie/er muss einen medizinisch relevanten Grund für den Hausbesuch finden.

    Strukturierung der Hausbesuchsanforderung

    Um Fehlinterpretationen und Stress zu vermeiden, sollte praxisintern folgendes festgelegt werden:

    • Welche Informationen soll die MFA bei Hausbesuchsanforderungen abfragen?
    • Welche Telefonate sollen direkt zum Arzt durchgestellt werden?
    • Wie kann man die Hausbesuche in den Tages-/Wochenablauf einplanen?
    • Wie erfährt der Patient oder Angehörige rechtzeitig, wann der Hausbesuch stattfindet?

    Qualitätsmanagement für Hausbesuche

    Und schon wieder das böse Wort: Qualitätsmanagement. Aber für die hier notwendige Strukturierung eignen sich nun mal die Hilfsmittel Arbeitsanweisungen, Prozessbeschreibungen bzw. Verfahrensanweisungen und Checklisten wunderbar. Wer es anders benennen möchte, soll sich einen anderen Namen ausdenken wie: "Cheforder", "Offizielle Praxisinformation", "Leitlinie" oder ähnliches.

    Prozessbeschreibung oder Verfahrensanweisung

    Hier stehen generelle Informationen über Hausbesuche:

    • Werden Hausbesuche generell durchgeführt oder nur in Ausnahmefällen?
    • Wer (Ärzte, MFA, AGNES, VERAH, NäPa...) führt Hausbesuche wann durch?
    • Welche Pflegeheime werden besucht, welche nicht?
    • Wo finden sich spezifische Anweisungen für das Vorgehen bei dringlichen Anforderungen?
    • Gibt es eine Struktur für regelmäßige Besuche, wer führt eine solche Hausbesuchsliste?

    Arbeitsanweisung Hausbesuche

    Als spezifischere Form der Verfahrensanweisung wird in der Arbeitsanweisung im Detail auf einzelne Situationen eingegangen. Beispiele:

    • Telefonische Annahme von Hausbesuchanforderungen:
      1. Abfrage der Patientendaten, Rückruftelefonnummer, Dringlichkeit, medizinischer Grund anhand einer Checkliste
      2. Informationsweitergabe anhand dieser Checkliste an einen Arzt
      3. Rücksprache mit dem Arzt, wann der Patient besucht werden kann
      4. Informationsweitergabe der Besuchszeit an den Patienten oder Angehörigen

     

    • Durchführung von Hausbesuchen am Beispiel durch spezialisierte MFA (VERAH, NäPa, AGNES)
      1. Vorbereitung der Hausbesuche anhand der Hausbesuchsliste (wer wird besucht?)
      2. Durchsicht der medizinischen Daten der Patienten, um notwendige Laborkontrollen, Medikamentenpläne, Einlesen der Krankenversichertenkarte etc. nicht zu vergessen
      3. Welches Auto wird verwendet, welche Hausbesuchstasche?
      4. Kontrolle der Hausbesuchstasche
      5. Information an die Patienten bzw. deren Angehörige, dass ein Besuch stattfindet
      6. Konkreter Besuch des Patienten: Anamnese, RR-Messung, Puls reg/arr, Beinödeme, Medikamentenplan vorhanden
      7. Rückkehr: Dokumentation des Patienten in der Praxissoftware (ICD10-Diagnose, Leistungsziffer, medizinischer Bericht)

    Checkliste Hausbesuchsanforderung

    Checklisten eigenen sich perfekt, um "an alles zu denken" - auch beim Thema Hausbesuche. Vor allem Azubis und Teilzeit-MFAs müssen sich keine Sorgen mehr machen, etwas übersehen oder vergessen zu haben.

    Eigene Checklisten können beispielsweise erstellt werden für:

    Es ist gar nicht so schwer, das Thema "Hausbesuche" zu strukturieren. Man kann mit einfachen, dokumentierten Anweisungen anfangen und diese dann Schritt für Schritt weiterentwickeln.

    Wie sind Deine Erfahrungen mit Hausbesuchen? Teile sie mit uns im Forum!

     

    bearbeitet von Christina Czeschik




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