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  • Was macht eigentlich eine geriatrische Tagesklinik?


    MFAimNetz

    Auch wenn der geriatrische Bereich mittlerweile etwas besser abgerechnet werden kann, ist es ob der Vielzahl von Patienten doch so, dass man beständig das Gefühl hat, nicht genug Zeit für den einzelnen geriatrischen Patienten zu haben. Mit Zeit für Gespräche und zusätzliche Untersuchungen könnte man der speziellen Situation des älteren Patienten viel besser gerecht werden, spezielle Aspekte seiner Einschränkungen viel besser hinterfragen und beleuchten.  An dieser Stelle kommen die geriatrischen Tageskliniken ins Spiel.

    Das Konzept der geriatrischen Tageskliniken ist in vielen Arztpraxen bislang  immer noch weitgehend unbekannt, dabei handelt es sich dabei um eine sehr sinnvolle Einrichtung an der Schnittstelle zwischen stationärer und ambulanter Versorgung, die von älteren Menschen im Allgemeinen auch gut angenommen wird. Eine flächendeckende Versorgung mit geriatrischen Tageskliniken gibt es derzeit allerdings leider noch nicht. Die Eckpunkte:

    Zielgruppe

    Zielgruppe sind ältere und hochbetagte multimorbide Patienten mit funktionellen Beeinträchtigungen bei akuten oder chronischen Erkrankungen. 

    Ziele

    • Verbleib in der eigenen Wohnung, bzw. Reduktion und/oder Vermeidung von Pflegebedürftigkeit
    • Umfangreiche Diagnostik und Therapie von Krankheiten und Funktionsbeeinträchtigungen älterer Patienten
    • Verkürzung oder Vermeidung einer vollstationären Behandlung
    • Wiederherstellung eingeschränkter Selbstständigkeit
    • Erhalt und/oder Wiederherstellung sozialer Kompetenz
    • Medikamentöse Einstellung mit möglichst wenigen Medikamenten

    Indikationen

    • Überwachung und Optimierung stationär begonnener Therapien unter häuslichen Bedingungen
    • Nachbehandlung zur Wiederherstellung von Selbstständigkeit z.B. nach Oberschenkelhalsbruch
    • Verzögerte postoperative Rekonvaleszenz
    • Verschleißerscheinungen und entzündliche Erkrankungen des Skelettsystems
    • Chronische Schmerzen
    • Neurologische Erkrankungen (z.B. Zustand nach Schlaganfall, Morbus Parkinson etc.)
    • Schwindel, z.B. Abklärung und Therapie einer Orthostase
    • Sprach- und Schluckstörungen
    • Tumorerkrankungen
    • Diagnostik und Therapie leichter bis mittelschwerer kognitiver Defizite
    • Diagnostik und Therapie begleitender Depression

    Ausschlusskriterien sind höhergradige Demenz und eine zu große Entfernung des Wohnortes von der Einrichtung (mehr als 30 bis 45 min Fahrzeit sollten es nicht sein).

    Voraussetzungen in der Person der/des Älteren

    Der geriatrische Patient sollte noch selbst oder mit Hilfe in der Lage sein, aufzustehen sich zu waschen und die Wohnung zu verlassen. Auch sollte er/sie in der Lage sein, als Beifahrer im Auto mitzufahren.

     

    Ablauf des Aufenthalts in der geriatrischen Tagesklinik

    Je nach Einrichtung werden die Patienten im Allgemeinen morgens zu Hause abgeholt und nachmittags wieder nach Hause gebracht. Die personelle Ausstattung geriatrischer Tageskliniken ist zumeist sehr gut. Die Betreuung des Patienten erfolgt interdisziplinär in Einzelbetreuung und in der Gruppe, weshalb es in der Einrichtung für die Älteren eine Reihe verschiedene Tagesordnungspunkte gibt, die nahtlos ineinandergreifen:

    • gemeinsames Essen der Älteren
    • Nutzung von Aufenthaltsräumen und/oder Ruhezonen
    • umfangreiche diagnostische Tests
    • psycho-, physio- und ergotherapeutische Maßnahmen (z.B. Krankengymnastik, Spielerunden, Gespräche, Gehschule)
    • sozialdienstliche Beratung
    • Hilfsmittelversorgung
    • Einleitung sozial flankierender Maßnahmen
    • wenn nötig auch spezielle Maßnahmen  wie z.B. Logopädie oder Wundversorgung

    Die interdisziplinäre Betreuung macht es beispielsweise auch möglich, das Ess- und Trinkverhalten der Älteren zu beobachten und zu schauen, wie sie sich in verschiedenen Zusammenhängen im sozialen Umfeld bewegen. Geriatrische Tageskliniken sind zumeist an Krankenhäuser angegliedert, so dass im Bedarfsfall das gesamte Leistungsspektrum des Krankenhauses zur Verfügung stehen kann.

    Organisatorisches und Aufnahme

    Aufnahemkapazität
    Die Aufnahemkapazität geriatrischer Tageskliniken ist begrenzt. Mehr als 20 Patientinnen und Patienten werden nur selten gleichzeitig betreut, oft auch nur bis zu zehn.

    Aufnahme
    Die Aufnahme in eine geriatrische Tagesklinik ist sowohl als Direkteinweisung durch den ambulant behandelnden Arzt als auch Anschluss an eine vollstationäre Krankenhausbehandlung möglich. Einige Tageskliniken haben spezielle Anmeldeformulare, die auch das soziale Umfeld des Patienten hinterfragen. Wenn eine Arztpraxis noch keine Erfahrung mit der geriatrischen Tagesklinik vor Ort hat, empfiehlt es sich, dort im Vorfeld einmal anzurufen und nach den Aufnahmegepflogenheiten zu fragen.

    Über die Aufnahme eines Patienten wird meistens in einem interdisziplinären Assessmentgespräch entschieden. Mehrwöchige Wartezeiten sind nicht selten.

    Aufenthaltsdauer
    Die Aufenthaltsdauer des Patienten in der teilstationären Einrichtung ist vergleichbar der in anderen rehabilitativen Einrichtungen. Zumeist werden zu Beginn zwei oder drei Wochen anberaumt, die dann im Einzelfall verlängert werden können.

    Kostenübernahme
    Die Kosten für die Behandlung in einer geriatrischen Tagesklinik werden wie der stationäre Krankenhausaufenthalt von den gesetzlichen Krankenversicherungen übernommen.

    Ob und zu welchem Anteil die Kosten von der jeweiligen privaten Krankenversicherung getragen werden, muss im Vorfeld individuell abgeklärt werden.

    Gutachten
    Patientinnen und Patienten erhalten abschließend jeweils ein umfassendes Gutachten mit allen diagnostischen Ergebnissen, Schilderung von begonnenen Therapien und bisherigen Therapieerfolgen, Hinweise zur medikamentösen Einstellung und umfassenden Empfehlungen für die weitere ärztliche Betreuung. Sollte der Patient vergessen, das Gutachten beim nächsten Arztbesuch vorzulegen, bitte danach fragen!

    Wichtige Patienteninformationen

    Die größte Angst der Älteren ist zumeist, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden und von dort gar nicht mehr nach Hause sondern direkt auf die Pflegestation kommen. Eine weitere Angst ist, dass ihnen darüberhinaus ihr Mitspracherecht genommen wird, sie also quasi entmündigt werden.

    Es können auch große Bedenken gegenüber der Leistungsfähigkeit der geriatrischen Tagesklinik und dem aus einem dortigen Aufenthalt resultierenden Nutzen bestehen. Diese Angst besteht insbesondere dann, wenn im Vorfeld bereits Erfahrungen mit einer personell schlecht besetzten, vollstationären, geriatrischen Unterbringung gemacht wurden, z.B. nach einem operativen Eingriff, vielleicht sogar im gleichen Krankenhaus, dem die Tagesklinik angegliedert ist .

    Des Weiteren können Ängste bestehen, anderen “unbekannten Alten” zu begegnen. Mitunter wird dann davon gesprochen, dass viele Ältere “schrullig”, “komisch” oder zickig” seien. Hier liegt der Grund häufig darin, dass beim Patienten mittlerweile die meisten sozialen Kontakte abgerissen sind (z.B. durch Todesfälle und zunehmende Isolation durch die eigene Unbeweglichkeit). Sie sind sich unsicher, wie sie den anderen begegnen sollen, mögen das aber weder dem Arzt noch sich selbst eingestehen. Kommen Ältere wieder mit anderen in Kontakt, macht es ihnen allerdings dann zumeist sehr viel Freude.

    All diese Bedenken und Widerreden des geriatrischen Patienten kann man mit nur einem Satz vom Tisch wischen:

    Es ist wichtig, dem älteren Menschen gegenüber zu kommunizieren, dass es sich NICHT um einen Krankenhausaufenthalt handelt, sondern darum, wieder fit zu werden, damit sie/er möglichst lange und zufrieden in der eigenen Wohnung bleiben kann!

    (Auszug aus der Wissensdatenbank des Dialogpartnerinnenprogramms. Quellen: Websites verschiedener geriatrischer Tageskliniken, u.a. der in Jena, Kiel und Köln.)

    bearbeitet von MFAimNetz




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