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  • Praxismarketing Website: Warum Perfektionisten nicht gefunden werden und wie Sie es besser machen


    Christina Czeschik

    Ihre Patienten suchen Ihre Arztpraxis Website

    Die Generation Wählscheibentelefon wird ersetzt durch die Generation Skype: Im Jahr 2014 betrug der Anteil der Internetnutzer unter den Senioren bereits 67%.

    Bis vor einigen Jahren konnte man sich für das Marketing in der Arztpraxis noch darauf zurückziehen, dass die ältere Generation – die nun mal den Löwenanteil der Patienten in den Arztpraxen und Wartezimmern ausmacht – einfach noch nicht online ist. Somit, so lautete oft die Schlussfolgerung, musste auch die eigene Praxis keine Homepage unterhalten: „Die Patienten finden mich auch so.“

    Ist das heute noch so? Nicht nur, dass unter den Senioren der Anteil der Internetnutzer steigt: Die sogenannten „Digital Natives“, also Menschen, die bereits mit dem Internet aufgewachsen sind, stehen heute mitten im Berufsleben, sind oft gut ausgebildet, sie sind im Vergleich zu Älteren und Nicht-Internetnutzern häufig privat versichert. Sie sind es gewohnt, bei jeder wichtigen (und so mancher unwichtigen) Entscheidung als allererstes das Internet zu Rate zu ziehen.

    Es gibt mehr als einen Weg, sich von Patienten im Internet finden zu lassen: Neben einem Eintrag in ein klassisches Branchenbuch, wie die Gelben Seiten, stehen Sie in der Regel auch ohne Ihr Zutun schon in Ärztebewertungsportalen wie Jameda. Bei beiden Alternativen sind Ihre Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten nicht vorhanden oder allenfalls gering. Anders bei der eigenen Webseite: Hier haben Sie freie Hand und so viel Platz, um Ihre Praxis darzustellen, wie Sie möchten.

    Schritt für Schritt zur eigenen Arztpraxis Webseite

    „Moment mal!“, sagen Sie an dieser Stelle vielleicht.

    Was ist mit dem Werbeverbot?"

    "Wer programmiert mir die Seite, wieviel kostet das und was ist, wenn ich mal was geändert haben will?"

    "Und außerdem weiß ich gar nicht, ob ich mein Foto und die Fotos meines Teams überhaupt im Internet haben will…“

    Klar: an ein paar gesetzliche Grundlagen muss man sich halten – diese sind aber überschaubar. Ansonsten lassen Sie sich ruhig vom KISS-Prinzip leiten: Keep it short and simple. Um eine Webseite zu erstellen, muss man heutzutage nicht mehr programmieren können, und Sie können auch durchaus eine attraktive Seite ganz ohne Fotos oder anderen Schnickschnack haben.

    Wenn Sie alles perfekt machen wollen, mehrere Fototermine mit Ihrem Team vereinbaren, Angebote von Webdesignern und Textern einholen, Hosting-Angebote vergleichen und ein Wordpress-Seminar an der Volkshochschule belegen, dann ist das Risiko hoch, dass Patienten Sie auch nächstes Jahr um diese Zeit noch nicht im Internet finden.

    Um es noch einmal deutlich zu sagen: Eine funktionale und erreichbare Webseite, die keinen Designpreis gewinnt, aber Ihren Patienten Ihre Anschrift und Sprechzeiten zeigt, ist besser als die hypothetische beste Webseite der Welt, deren Fertigstellung immer wieder nach hinten verschoben wird!

    Betrachten Sie das Projekt Praxiswebsite als ein flexibles, das Sie stets entsprechend Ihrem Bedarf und Ihren Ressourcen pflegen und überarbeiten können.

    Ihre erste Priorität sollte sein, erst einmal im Internet für Ihre Patienten sichtbar zu werden um grundlegende Informationen anzubieten: Adresse, Öffnungszeiten und Telefonnummer.

    Zu diesem Zweck geben wir Ihnen hier einen kurzen Leitfaden an die Hand, der Sie bei den ersten Schritten begleiten wird.

    1. Für eine Domain entscheiden

    Die Domain ist die Adresse, unter der Ihre Seite im Browser zukünftig erreichbar sein wird. Wenn Sie sicherstellen, dass Ihr Name oder der Ihrer Einrichtung in der Domain auftaucht, werden Sie später leichter von Patienten gefunden, die nach Ihnen suchen. Beispiel: www.praxis-dr-muster.de oder www.mvz-musterstrasse.de.

    2. Bei einem Homepage-Baukasten anmelden

    Ein sogenannte Homepage-Baukasten ist ein von einer Firma angebotener Dienst, bei dem die eigene Webseite weitgehend automatisch erstellt wird. Man muss lediglich seine gewünschte Domain eingeben, sich für ein bestimmtes Design entscheiden und natürlich hinterher die Inhalte erstellen – also beispielsweise die Praxisöffnungszeiten und das Impressum.

    Zwei beliebte Baukastensysteme sind beispielsweise Wordpress und Jimdo.

    (Wordpress ist eigentlich ein sehr umfangreiches System zur Verwaltung von Webseiten, das Sie als Fortgeschrittene auch auf einem eigenen Server installieren können. Das ist aber für unsere Zwecke nicht notwendig, daher das nur als Randbemerkung.)

    Bei beiden Systemen können Sie während des Anmeldeprozesses Ihre gewünschte Domain angeben. Falls diese nicht mehr frei sein sollte, versuchen Sie geringfügige Abwandlungen – also beispielsweise www.praxisdrmuster.de oder www.dr-muster-berlin.de statt www.praxis-dr-muster.de.

    3. Für ein Design entscheiden

    Nach der Anmeldung werden Ihnen mehrere Webseiten-Designs zur Auswahl vorgestellt. Nehmen Sie eins, das Ihnen gefällt – keine Angst, Sie können es stets im Nachhinein noch ändern. Bei Wordpress sind Sie am besten bedient, wenn Sie die Designkategorie „Eine Willkommensseite für meine Webseite“ auswählen: Dann werden Ihnen solche Designs angezeigt, die nicht darauf angewiesen sind, dass Sie regelmäßig eine News-Seite aktualisieren.

    4. Kostenlos oder kostenpflichtig?

    Sowohl Wordpress als auch Jimdo bieten auch kostenlose Webseiten. Hier ist keine eigene Domain enthalten, sondern nur eine sogenannte Subdomain, beispielsweise www.praxisdrmuster.wordpress.com. Zudem finanzieren sich solche Angebote durch Werbeeinblendungen, machen also auf Ihre Patienten einen wenig professionellen Eindruck. Sie wählen daher am besten die günstigste der kostenpflichtigen Versionen, die z.B. bei Wordpress 2,99 EUR im Monat kostet. Wenn Sie später einmal mehr Wünsche an Ihre Webseite haben sollten, die mit dem preiswertesten Plan nicht mehr zu erfüllen sind, können Sie immer noch upgraden.

    5. Inhalte erstellen

    Ihre Webseite sollte neben dem Impressum (siehe nächster Punkt) mindestens eine Seite haben, um einen Nutzwert für Patienten zu haben: Name, Anschrift und Telefonnummer Ihrer Praxis mit Facharztbezeichnung und etwaigen Gebietsbezeichnungen sowie Öffnungs-/Sprechzeiten.

    Darüber hinaus können Sie natürlich auch weitere Seiten erstellen beziehungsweise die Inhalte auf mehrere Seiten aufteilen. Eine erste (kleine) Zusammenstellung von Seiten wäre beispielsweise:

    • Sprechzeiten
    • Leistungen
    • Anfahrt und Kontakt

    6. Impressum und Datenschutzerklärung nicht vergessen

    Jetzt sind wir bei den oben schon erwähnten rechtlichen Anforderungen: Ihre Webseite braucht ein Impressum und eine Datenschutzerklärung, und es muss von der Startseite aus erreichbar sein (also durch einen Link im Hauptmenü oder in der Fußzeile). Dies ist normalerweise automatisch der Fall – kontrollieren Sie es aber sicherheitshalber und fügen Sie, wenn nötig, die Seite von Hand zum Menü hinzu.

    Was muss ins Impressum? Kurz gesagt, Name und Kontaktinformationen des für die Webseite Verantwortlichen – also Ihr Name und Ihre Anschrift mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Zusätzlich die zuständige Landesärztekammer und (wenn es keine reine Privatpraxis ist) zuständige KV, die Berufsbezeichnung Arzt, Umsatzsteuernummer (wenn vorhanden), Links auf die für Sie geltende Berufsordnung und das Heilberufegesetz sowie der Hinweis, dass Sie auch inhaltlich für die Webseite verantwortlich sind. Falls Sie Links auf andere Webseiten setzen (was in diesem Schritt-für Schritt-Guide nicht enthalten ist), sollten Sie auch einen Haftungsausschluss mit aufnehmen.

    Ein Muster-Impressum finden Sie beispielsweise bei der KV-Nordrhein (https://www.kvno.de/10praxis/30honorarundrecht/30recht/10internet/webimpresssum/index.html).

    Was muss in die Datenschutzerklärung? Eine Datenschutzerklärung ist notwendig, wenn Sie auf Ihrer Webseite die Daten der Besucher sammeln, sei es über Cookies oder ein Kontaktformular. Die Datenschutzerklärung legt den Besuchern Ihrer Webseite dar, inwiefern ihre Daten gespeichert und/oder weitergegeben werden und wie sie dies verhindern können (beispielsweise durch Ausschalten der Cookies). Bezüglich des Inhaltes kann man sich an der Musterdatenschutzerklärung der Stiftung Gesundheit orientieren.

    7. Bonus

    Ihre Webseite ist online? Herzlichen Glückwunsch! An dieser Stelle können Sie das Projekt erst einmal wieder eine Weile liegenlassen und sich anderen Dingen zuwenden.

    Wenn Sie aber für das Projekt Praxiswebseite Feuer gefangen haben, gibt es eine Reihe von Ergänzungen, die Sie als nächstes in Angriff nehmen können:

    • Einbinden einer kleinen Anfahrtskarte (Google Maps, Anleitung siehe dort) in Ihre Kontaktseite
    • Einbinden eines Kontaktformulars in Ihre Kontaktseite
    • Erstellung eines Blogs, d.h. einer Sammlung von Newsmeldungen, in dem Sie beispielsweise Ihre Urlaubszeiten und Vertretung posten, die Impfsaison ankündigen oder auf Änderungen der Sprechzeiten hinweisen
    • Abdruck der Adresse Ihrer Praxiswebseite auf Ihren Visitenkarten oder Privatrezepten

    Schauen Sie sich auch ruhig einmal die Webseiten Ihrer Kollegen an. Was können Sie für sich selbst übernehmen, was gefällt Ihnen weniger gut?

    Ihre Erfahrungen zum Praxismarketing

    Haben Sie gute oder schlechte Erfahrungen mit einem der genannten Systeme gemacht? Wurden Sie von Patienten schon auf Ihre Homepage angesprochen? Können Sie den Kollegen, die die Webseite lieber erstellen lassen möchten, einen guten Webdesigner empfehlen?

    Stellen Sie jetzt Ihre Fragen oder Kommentare hier im Forum Praxismanagement

     

    Über die Autorin

    Dr. med. Christina Czeschik, M.Sc. 

    Medizinische Informatik, Datenschutz, IT-Seminare

    Ich bin Ärztin für Medizinische Informatik (Ärztekammer Nordrhein) und Mitherausgeberin und Autorin der Bücher "Medizinische Informatik kompakt", "Gut gerüstet gegen Überwachung im Web" und "Literatursuche mit PubMed". MIt dem Team von serapion medical schreibe ich über Themen aus E-Health, Medizinischer Informatik und Medizintechnik und führe Workshops zu E-Health- und IT-Themen für Ärztinnen und Ärzte durch.

    Mehr dazu auf serapion medical: E-Health für Ärzte

    bearbeitet von Christina Czeschik




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