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  • Praxiskredit: Lohnt sich die Kreditaufnahme für die Praxisgründung?


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    Ob Eröffnung, Betrieb oder Erweiterung einer eigenen Praxis: Ein Praxiskredit bietet dem niedergelassenen Arzt zusätzliche Freiräume. Doch was ist bei der Aufnahme eines Praxiskredits zu beachten? Darauf gehen wir im folgenden Artikel ein.

    Praxisfinanzierung: Keine Praxis (und kein Kredit) ist wie die (der) andere

    Die junge Ärztin oder der junge Arzt, die oder der eine Praxis gründen möchte, hat oft große finanzielle Schwierigkeiten. Bei der Übernahme einer Praxis und auch bei der Praxisneugründung entsteht ein beträchtlicher Finanzierungsbedarf. Die beste Lösung wäre ganz klar, wenn die Ausstattung mit Eigenkapital finanziert werden könnte. Aber viele Ärzte, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen, haben kein Kapital zur Verfügung - oft müssen stattdessen Anschaffungen für die Familie oder ein Auto finanziert werden.

    Finanzierung und Kapitalbedarf für eine Praxis variieren stark und richten sich nach dem Format und der Fachrichtung der Praxis. So braucht eine Orthopädiepraxis oder eine Zahnarztpraxis mehr moderne Apparaturen mit einem hohen Anschaffungswert als beispielsweise die Praxis eines Psychiaters, in der es wenig technischer Ausstattung bedarf. Eine Praxisfinanzierung kann sich so in unterschiedlichen Größenordnungen bewegen.

    Die Laufzeit eines Praxiskredits hängt mit von den zu erwartenden Einnahmen ab. Allerdings sollte der Kredit nach ein paar Jahren bezahlt sein, damit die Praxis eines Tages wiederverkauft werden kann.

    Praxisfinanzierung: Betriebswirtschaftliche Aspekte

    Die Kreditinstitute überprüfen genau, ob voraussichtlicher Ertrag und Praxiskredit in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Die gesamten Vermögensverhältnisse werden dabei geprüft. Es werden unter anderem dabei die Kennzahlen Eigenkapitalquote und Kapitalrentabilität untersucht und bewertet.

    Die Praxisfinanzierung ist nicht zu vergleichen mit einem Privatkredit. Es handelt sich um einen betriebswirtschaftlichen Entschluss, nicht zu vergleichen mit einem Hauskauf oder einer wertmindernden Anschaffung, z.B. einem Auto.

    Bevor eine Finanzierung in die Wege geleitet wird, sollte eine Unterredung mit dem Steuerberater wie auch mit der KV-Wirtschaftsberatung erfolgen. Denn bei einer Praxisfinanzierung geht es nicht nur um den Gewinn - das Gesamtkonzept der Finanzierung entscheidet über den Erfolg.

    Liquidität sollte Vorrang haben

    Der Faktor Liquidität sollte immer an erster Stelle stehen - deshalb sollte im Vorfeld die Zahlungsfähigkeit gründlich überprüft werden. Dazu kann, wie oben schon erwähnt, das Gespräch mit Deinem Steuerberater hilfreich sein. Meist dauert es einige Zeit, bis eine Praxis Geld abwirft, aber die Praxiskosten und der Lebensunterhalt müssen bestritten werden. In diesem Fall ist die Lösung ein Betriebsmittelkredit, den der Arzt aufnehmen kann. Dieser Kredit wird zurückgezahlt, sobald die Praxis Gewinne erzielt.

    Eine öffentliche Förderung gibt es, wenn eine Finanzierung mit Fremdkapital getätigt wird. So zahlt die KFW Startgeld an Einzelgründer in Höhe von 50.000 Euro. Der Finanzierungsanteil kann bis zu 100% betragen, das heißt, die gesamten Kosten können finanziert werden. Die Laufzeit ist limitiert auf zehn Jahre.

    Die Zinsen, die für die Finanzierung anfallen, können übrigens von der Steuer abgesetzt werden.

    Arzt wird zum Unternehmer

    Der Arzt wird mit seinem Schritt in die Selbstständigkeit zum Unternehmer. Da das aktuelle Zinsniveau auf einem niedrigen Stand ist, ist eine Finanzierung gut planbar. Die Praxisfinanzierung sollte sich an der beruflichen als auch an der privaten Situation des Praxisgründers orientieren. So sollten Laufzeit und Sollzinsbindung sich den persönlichen Bedürfnissen anpassen.

    Nach einer aktuellen Existenzgründeranalyse muss ein Arzt für eine Praxisgründung durchschnittlich 117.000 Euro zahlen. Dabei spielt es auch eine Rolle, welchem Fachgebiet die Praxis angehört. Das gewählte Kreditlimit sollte hoch angesetzt werden, denn nach dem Anlaufen der Praxis sollte der eventuell genutzte Betriebsmittelkredit auszugleichen sein.

    Es gibt verschiedene Darlehensformen: So fällt bei einem Annunitätendarlehen eine konstante monatliche Rate an, die Zins und Tilgung beinhaltet. Ein endfälliges Darlehen wird - wie der Name schon sagt - am Ende der Laufzeit fällig, während der Laufzeit fallen nur Zinsen an. Zinsgünstige Programme der einzelnen Bundesländer sind ebenfalls in die Praxisfinanzierung mit einzuschließen.

    Wie habt Ihr den Schritt in die Selbständigkeit finanziert? Berichtet Eure Erfahrungen hier im Forum!

    bearbeitet von Christina Czeschik




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