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  • GOÄ-Ziffern und Privatabrechnung einfach erklärt


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    Die Lebensgrundlage jeder Arztpraxis sind ausreichende Einnahmen. Diese sichern nicht nur den Lebensunterhalt von Praxisinhabern und Mitarbeitern, sondern auch den Fortbestand der Praxis und damit die gute Patientenversorgung.

    Es gibt drei Arten, auf die medizinische Leistungen in der Arztpraxis abgerechnet werden, also Einnahmen erzielen: vertragsärztlich nach EBM und außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung nach GOÄ - einerseits bei Privatpatienten und andererseits als IGeL.

    Abrechnung innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung (Kassenarzt):

    Innerhalb der vertragsärztlichen Versorgung wird nach dem sogenannten Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) über die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) abgerechnet. Abgerechnet wird über die Kassenärztliche Vereinigung nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Jeder abrechenbaren Leistung wird im EBM eine Ziffer und ein Punktwert zugeordnet. Der Punktwert entspricht keinem festen Geldbetrag, sondern muss erst mit dem regionalen Punktwert multipliziert werden. Dieser steht erst nach Abschluss eines Quartals fest, wenn bekannt ist, wie viele Leistungen insgesamt in einer Region erbracht wurden und wieviel Geld von den gesetzlichen Krankenkassen an die KV gezahlt wird.

    Leistungen bei Patienten, die in Selektivverträge eingeschrieben sind (Hausarztverträge, Facharztverträge), werden nicht über den EBM und die KV, sondern direkt über die Krankenkasse abgerechnet

    Abrechnung außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung:

    Die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regelt die Vergütung aller medizinischen Leistungen und Auslagen der Ärzte außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung. Sie ist die reguläre Form der Abrechnung bei Privatpatienten - also Patienten, die bei einer privaten statt gesetzlichen Krankenkasse versichert sind. Auch bei gesetzlich Versicherten wird zuweilen nach GOÄ abgerechnet, und zwar, wenn sie Leistungen in Anspruch nehmen, die nach Ansicht ihrer Krankenkasse nicht medizinisch notwendig sind - die sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) - oder wenn sie sich freiwillig für Kostenerstattung statt des Sachleistungsprinzips entschieden haben. Doch auch bei jeder anderen Abrechnung außerhalb des KV-Systems kommt sie zur Anwendung, beispielsweise bei ausländischen Patienten, die in Deutschland nicht versichert sind und die gesamten Leistungen selbst zahlen (Selbstzahler).

    Approbierte Ärzte dürfen in Deutschland die Honorare für ihre Leistungen nicht frei festlegen, sondern sind nach dem ärztlichen Berufsrecht an die GOÄ gebunden.

    Grundsätzlicher Aufbau einer Privatabrechnung nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ)

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    Leistungen werden entsprechend dem Verzeichnis der Ziffern nach der Gebührenordnung für Ärzte in Form von Ziffern angegeben, z.B. die GOÄ-Ziffer 1 für eine ärztliche Beratung. Die Praxis-EDV oder Privatärztliche Verrechnungsstelle fügt für eine korrekte Rechnungsstellung eine entsprechende Kurzbeschreibung des Leistungsinhaltes hinzu.

    Eine GOÄ-Ziffer entspricht (anders als eine EBM-Ziffer) einem festgelegten Wert in Euro.

    • z.B. entspricht die GOÄ-Ziffer 1 (Ärztliche Beratung) einer Grundgebühr von 4,66 €.

    Gebührensatz nach GOÄ - Steigerungsfaktor

    Die Gebühren werden unter Berücksichtigung der Schwierigkeit und des Zeitaufwandes der einzelnen Leistungen anhand des Faktors "Gebührensatz" gesteigert. Bei durchschnittlichem Aufwand kommt regelmäßig der 2,3fache Gebührensatz zur Anwendung.

    • z.B. kann die GOÄ-Ziffer 1 (im Wert von 4,66 €) mit dem durchschnittlichen Gebührensatz von 2,3 auf einen Wert von 10,72 € gesteigert werden.

    Das Überschreiten des Gebührensatzes von 2,3 muss in der Rechnung explizit und nachvollziehbar begründet werden. Der Gebührensatz darf ohne schriftliche Vereinbarung mit dem Patienten das 3,5fache nicht überschreiten.

    Für folgende Leistungen gelten Einschränkungen - der Gebührensatz darf maximal 2,5fach gesteigert werden, und durchschnittlich darf nur der 1,8fache Satz angewandt werden.

    • GOÄ-Ziffer 2: Ausstellung von Wiederholungsrezepten
    • GOÄ-Ziffer 56Verweilen, ohne Unterbrechung und ohne Erbringung anderer ärztlicher Leistungen
    • GOÄ-Ziffer 250Blutentnahme mittels Spritze, Kanüle oder Katheter aus der Vene
    • GOÄ-Ziffer 250aKapillarblutentnahme bei Kindern bis zum vollendeten 8. Lebensjahr
    • Technische Untersuchungen (z.B. EKG und Pulsoxymetrie) nach den GOÄ-Ziffern: 402 und 403, 602, 605 bis 617, 620 bis 624, 635 bis 647, 650, 651, 653, 654, 657 bis 661,665 bis 666, 725, 726, 759 bis 761, 855 bis 857, 1001 und 1002, 1255 bis 1257, 1259, 1260, 1262, 1263, 1268 bis 1270, 1401, 1403 bis 1406, 1558 bis 1560, 4850 bis 4873
    • Physikalisch-medizinische Leistungen
    • Strahlendiagnostik, Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie

    Laboruntersuchungen dürfen nur mit maximal dem 1,3fachen Satz berechnet werden. Durchschnittlich darf der 1,15fache Satz angewendet werden.

    Keine Angst: die Praxis-EDV fügt in der Regel den richtigen Steigerungsfaktor automatisch hinzu.

     

    Behandlungsfall nach der Gebührenordnung für Ärzte

    Als Behandlungsfall gilt für dieselbe Erkrankung der Zeitraum eines Monats nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes. Die Leistungen nach den Nummern 1 (Beratung) und/oder 5 (körperliche Untersuchung) sind im Behandlungsfall zum Beispiel nur einmal berechnungsfähig.

    GOÄ-Ausschlüsse

    In der GOÄ ist zudem geregelt, welche Ziffer nicht zusammen mit anderen Ziffern abgerechnet werden dürfen. Zum Beispiel darf neben der Leistung "Gesundheitsuntersuchung" (GOÄ 28) nicht zusätzlich die körperliche Untersuchung nach den Ziffern 5, 6, 7, 8 angesetzt werden.

     

    GOÄ-Zuschläge

    Neben den GOÄ-Ziffern existieren Buchstaben, die Zuschläge für erbrachte Leistungen definieren. Diese dürfen nur nach dem einfachen Satz abgerechnet werden.

    • A : Zuschlag für außerhalb der Sprechstunde erbrachte Leistungen (im Wert von 4,08 €)
      Der Zuschlag nach Buchstabe A ist neben den Zuschlägen nach den Buchstaben B,C und/oder D nicht berechnungsfähig.
    • B: Zuschlag für in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr oder 6 und 8 Uhr außerhalb der Sprechstunde erbrachte Leistungen (im Wert von 10,49 €)
    • C: Zuschlag für in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr erbrachte Leistungen (im Wert von 18,65 €)
      Neben dem Zuschlag nach Buchstabe C ist der Zuschlag nach Buchstabe B nicht berechnungsfähig
    • D: Zuschlag für an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen erbrachte Leistungen (im Wert von 12,82 €)
      Werden Leistungen innerhalb einer Sprechstunde an Samstagen erbracht, so ist der Zuschlag nach Buchstabe D nur mit dem halben Gebührensatz berechnungsfähig. Werden Leistungen an Samstagen, Sonn- oder Feiertagen zwischen 20 und 8 Uhr erbracht, ist neben dem Zuschlag nach Buchstabe D ein Zuschlag nach Buchstabe B oder C berechnungsfähig.
    • K1: Zuschlag zu Untersuchungen nach Nummer 5, 6, 7 oder 8 bei Kindern bis zum vollendeten 4. Lebensjahr (im Wert von 6,99 €)

     

    GOÄ-Analogleistungen

    Sind Leistungen nicht im Gebührenverzeichnis für Ärzte aufgeführt, beispielsweise, weil sie neu sind, müssen diese anhand einer Analogleistung abgerechnet werden. Konkret wird eine nicht aufgeführte Leistung entsprechend einem ähnlichen Kosten- und Zeitaufwand mittels einer in der GOÄ aufgeführten Leistung abgerechnet. 

    Die gewählte GOÄ-Ziffer muss entweder mit dem Zusatz "analog" oder "entsprechend" gekennzeichnet und die erbrachte Leistung eindeutig beschrieben werden.

    Um Ärzten, Patienten und Kostenträgern Hilfestellung bei der Analogabrechnung zu geben, veröffentlicht die Bundesärztekammer regelmäßig ein "Verzeichnis der Analogen Bewertungen der Bundesärztekammer".

    Vorlagen und Downloads für die GOÄ-Rechnung

    Unsere Übersichten der am häufigsten verwendeten Ziffern in der Arztpraxis oder im Notdienst erleichtern die tägliche Arbeit:

     

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    bearbeitet von Christina Czeschik




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